Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
89
 
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piegel

f ü r Kunst, Eleganz und Mode. Leßuler Saß aug.

12. Sonnabend, 11. Februar. 1837.

Das moderne Haus jahr. (Aus der neuen Zeitſchrift:der Welthorizont.)

Längſt ſchon iſt der ſpäte Wintermorgen angebrochen, wenn am 1. Januar der Menſch in den Federwellen von ſeinen glühenden, glänzenden Ballträumen erwacht. Seine etwas ſchwerfällige Erinnerung ruft alle die ſüßen Gefühle, die er dort hatte, als die gutmüthigen Gratulationslügen, die er empfangen, und alle die vollen, klingenden Gläſer zurük, mit denen er das neue Jahr begrüßte. Aber es erſcheint ihm jezt Alles ſo unausſtehlich nüchtern; die herr

liche Welt voll Herzens- und Becherflammen iſt verſunken; der Magen prä⸗ valirt in ſeinen tief innerſten Gefühlen, und drükt eine unendliche Sehnſucht nach Sardellenſalat oder marinirten Häringen aus. Zugleich öffnet der 1. Ja nuar die Thür, und läßt die Gratulanten von Thurm, Kirche, Gaſſe, Haus und Müllerhaufen mit ihren uralten herkömmlichen Rechten und gekrümmten Händen herein. Dann kommen Gratulationskarten aller Art, gepreßt und glatt, mit und ohne Wünſche. Mancher leere Name iſt auch oft eine zart verſchlei⸗ erte Erinnerung an irgend eine verlegte Rechnung. Denn der Januar iſt der Monat der Rechnungen. Da erwachen alle Kontobücher plözlich aus ihrem leiſen Schlummer; auch die verſchlafenſten reiben ſich die Augen; viele haben ſich hingegen ſchon in den lezten Tagen des Dezembers ermuntert; und es werden nun Auszüge gemacht, um Geld einzuziehen. Da kommen denn mancherlei unangenehme Vergangenheiten ins Gedächtniß, und Dok tor und Apotheker, Mode- und Buchhändler, Schneider und Schuhmacher, die das ganze Jahr hindurch einen ſoliden Kredit gewährten, denken im Januar ernſtlich ans Debet.Und der Menſch greift denkend in ſeine Bruſt; dann aber auch nothgedrungen in ſeine Vörſe. Indeß er hat nicht lange Zeit dazu. Pfannkuchen und Redouten werden fortwährend angekündigt; Schlitten⸗ fahrten verkürzen den Tag. Es kommen luſtige, überaus ſpaßhafte Tage,