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niß, Dunſt und Waſſer zu Theil wird, geht es in unſern Marmorhallen und geſchmükten Salons gar luſtig und munter, toll und voll, flimmernd und ſchimmernd her. Der Karne— val hat hier überall ſeinen Thron aufgeſchla— gen und man ſchlürft aus dem von ihm dar⸗ gebotenen Freudenbecher in vollen Zügen. Der Faſching iſt kurz, heißt es, und richtig gerechnet, muß man der kurzen Dauer eines Dreißigtägigen doppelt ſo viel, als der eines Fünfzigtägigen opfern. Zahlreiche Bälle wer— den in beiden Nachbarſtädten täglich, ange⸗ kündigt, abgehalten und faſt alle erfreuen ſich der regſten Theilnahme. Vorzüglich iſt dies der Fall mit den Maskenbällen in den Redouten der beiden Nachharſtädte. So war dle Redoute am 26. Jan. im Ofner Land⸗ hausſaale die brillanteſte, die ſeit ſechs Jahren daſelbſt abgehalten wurde. Es war hier die Elite der Bewohner von Ungarns Hauptſtadt verſammelt und Geſchmak und Eleganz, ſowohl bei den Toiletten als bei den Masken, gingen Hand in Hand, um Stoff zu den angenehmſten Betrachtungen zu geben. Morgen, den 2. Februar, findet hier abermals ein Ballfeſt ſtatt, und dies dürfte, wenn möglich, einen noch entſchiedeneren Succeß haben.— Doch was ſollen wir zu der grandioſen Peſther Redoute vom 29. Jan. ſagen! Sie war unüberſchwänglich, üppig und prachtvoll. Der Anblik bot Großartiges dar. Die Zahl der Anweſenden aus allen Ständen und Klaſſen war unermeßlich und läßt ſich unmöglich ſchäzen. Geſchmakvolle, wenn auch nicht originelle, doch zum Theil reiche Masken konverſirten, mitunter recht wizig mit neugierigen verlarvten und unver— larvten Perſonen. Die zierlichſt geſchmükten Tänzerpärchen flogen wie der Wind die Länge des Saales oder die ſelbſt gebahnten Kreiſe
durch, Alles in der Welt, Freudiges und
Leidiges vergeſſend, und nur dem Lanner'ſchen und Strauß'ſchen Zaubertönen und den phan— taſtiſchen Geſtalten lebend, die die kreis for— mige Bewegung aus dem ſchimmernden Saal ihren Augen ſchuf. Elegant und luxurios ge— puzte Zuſchauer und Zuſchauerinen verbrach— ten die harmloſeſte Unthätigkeit und überlie—
ßen ſich den ſüßeſten Meditationen. Man ſchaute u. ließ ſich noch lieber beſchauen, falls nicht gewiſſe wechſelſeitige Erklärungen oder auch nur Winke ihre Aufmerkſamkeit auf eine andere, für ſie aber gewichtigere Art feſſelten. Eyplkuräer endlich konnten in der reich dotir— ten Kredenz und in den einladend dampfen⸗ den Speiſeſälen, wo Champagner wie Waſſer floß, ſich recht luculliſch gütlich thun. Kurz es war eine Redoute, die lange in dem Ge— dächtniſſe Vieler leben wird.— Und ſollte ſchon damit für heuer Alles zu Ende ſein? Nein! Herr Emmerling liebt uns und ſorgt für uns. Er veranſtaltet noch etwas Großartiges. Wir dürfen von dieſem ſo lieben Faſching nicht ſo ſchnell ſcheiden. Künftigen Sonntag, den 5.
d. M., wird ein vollſtändig maskirter Ball in
den Redoutenſälen, betitelt:„der Karneval in Venedig“ ſtattfinden. Alles erſcheint mas. kirt, oder trägt wenigſtens das Abzeichen ei— ner Maske an ſich. Zu dieſem Behufe gibt Hr. Emmerling jedem Abnehmer einer Ein⸗ trittskarte ein gar niedliches kleines Wachs- lärvchen unentgeltlich bei. Welch cinen abenteuerlich intereſſanten Anblik wird die⸗ ſer Ball bieten! Hier dürfte der Karneval in ſeinen Herrlichkeiten den Kulmknatlons, punkt erreichen. So viel wir hinter den Kor⸗ tinen erlauſchten, wiſſen wir, daß unter dem publitum bereits große Dinge dazu vorberel⸗ tet werden; alſo wir leben in der angenehm⸗ ſten Erwartung. l.
Muſikaliſches. Der berühmte jun- ge Violinvirtuoſe Henry Vieuxtemps iſt hier angekommen.
Modenbil d. Nr. 5.
(Paris, 15. Ja n.). Ballanzüge. Koeffüren 4 Panglaise mit Roſen und Per- lenſchnüren geziert. Kleid v. roſenrothem At- las mit gleichen gefalteten Bändern geziert; flache Aermel mit Bandſchalen und Blonde— Manchetten garnirt. Flacher Leib. Blondeman⸗ tille.— Weißes Kreppkleid mit zwei Blond⸗ falben, der Kopf der erſten bildet eine Tulle⸗ bauſche, darin ein Band. Mantille von ſchwar⸗ zem Sammet, mit Marder eingefaßt und mit weißem Sammet gefüttert.
Halbſähriger Preis 4 fl.,
mit freler Poſtzuſendung 8 fl. Auf Belinrapler mit erſten Kupferabdrſlken
5 fl. und poſtfrei 6 fl. C. W.— Man pränumerirt im Kommiſſtonsamt zu Ofen(Feſtung, anterhalb
des Waſſerthors), in Ferdinand Tomalas Kunſthandlung zu Peſth und
bel allen k. k. Poſlämtern.
Herausgeber und Verleger Franz Wlieſen.


