Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
58
 
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ein geheimer Wunſch rege wurde, dem Turnier beizuwohnen, enkbekte nun dem Gebieter das Geheimniß ſeines Standes, was derſelbe längſt ſchon geah net hatte, und ihn daher ſtets als ſeinen Freund behandelte. Er hatte daher kaum dieſen Wunſch erfahren, als er ihn mit allen ritterlichen Waffen aus ſtattete, ihm ein ſtattliches Schlachtroß ſchenkte, und ihn mit Dienerſchaft und Geldbedarf verſah, ihn auch bat, ſeines Freundes in der Ferne nicht zu vergeſſen, und ſobald er die Luſt, die Welt zu durchreiſen, verloren, zu ihm zurükkehren möge, ihm die Augen zuzudrüken. Mit Rührung trennten ſich die beiden edlen Menſchen.

Als Amadäus in England ankam, hatte das Turnier bereits ſeit einl⸗ gen Tagen begonnen, die tapferſten De gen aus allen Weltgegenden hatten dabei ſich eingefunden. Der König, der als Verfechter ſeiner ſchönen Braut turnirte, batte mit entſchiedenem Glüke gekämpft und bisher jeden beſiegt, der ſich ihm entgegenſtellte; die Liebe zur ſchönen Blanka hatte ſeinen Muth geſtählt, und als bereits ſeine Hand hundert Ritter überwunden hatte, folgte keiner mehr der Aufforderung des Herolds.

Schon wurde der Kampfpreis von den Richtern unter allgemeinem Jubel dem Würdigen zuerkannt, der nicht nur der Erſte ſeines Volkes, ſondern auch der Tapferſte unter den Tapfern war; als ein unbekannter Ritter in einfacher Rüſtung und mit geſchloſſenem Viſir auf dem Kampfplaze ankam. Jedermann forſchte nach ſeinem Stande, aber kein Wappen auf ſeinem Schilde gab Auf ſchluß; ein Herz vom Pfeil durchſtochen und mit Trauerflor überdekt war ſein Symbol. Als Blanka, die aus einer Loge dem Kampfſpiele zuſah, die Deviſe des unbekannten Ritters erblikte, ſtieß ſie einen freudigen Schrei aus; denn ſie erkannte in demſelben augenbliklich ihren Eheherrn, und mit pochen⸗ dem Herzen ſah ſie dem Kampfe zu. Diesmal batte das Blatt ſich gewendet. Troz der Geſchiklichkeit und der Stärke, mußte der König ſeinem unbekann ten Gegner weichen, und alle bereits errungenen Trophäen des Sieges gingen nun mit Einemmale verloren.

Das Kampfſpiel war beendet, der Sieger ſtand auf der Turnierbahn, bereit Jedem, der es wagen möchte mit ihm zu fechten, die Stirne zu bieten; aber Keiner wollte dem überlegnen Fremden die Spize bieten, und er nahte ſich der Loge, den Dank aus den Händen der verſchleierten Dame zu empfan gen. Blanka, welche kaum ihr Entzüken über den Sieg ihres Gatten zu ßigen vermochte, erhob ſich als derſelbe nahte und ſprach:Dem Beſieger eines edlen und tapferen Köntgs kann der gewöhnliche Turnierdank nicht genügen ſie nahm, als ſie dieſe bedeutungsvollen Worte ſprach, ein Kleinod, das an einer goldnen Kette hing, und das ſie in ihrem Buſen verwahrt trug, und hing es um den Naken des Ritters, als er vor ihr das Knie beugte. Er ver⸗ ſpürte einen leiſen ODruk der Hand und ſchaute verwundert nach der Dame empor; doch als er den erhaltnen Preis näher betrachtete, ward ihm ganz ſon derbar zu Muthe; denn er erkannte augenbliklich darin die eine Hälfte des Ringes, den ſeine, von ihm längſt todt geglaubte und tief betrauerte Gattin in der traurigen Scheideſtunde zerbrach, und wovon er die andere Hälfte ſtets treu bewahrte, und in ſeinem größten Elende nicht veräußern mochte. Kaum hatte er das Pfand der Treue für echt erkannt, als der Schleier fiel, und