Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
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Aber, mein guter Leſer, wenn du es im Leben noch nicht erfahren ha⸗ ben ſollteſt, ſo wiſſe, daß die Ueberredungskunſt der Frauen über Alles geht, und daß ſie dem Wutme gleicht, der ſo lange und beharrlich die innern leben digen Keime des ſtattlichen Baumes zernagt, bis er verdorrt und erſtirbt. So erging es dem Grafen, ſein ſtarrer Sinn mußte endlich der ſanften Gewalt ihrer Ueberredung weichen, und als er nun eingewilligt hatte, da nahm ſie ihr Eheringlein vom Finger, zerbrach es, und gab ihm die eine Hälfte davon mit der Bitte, ihrer zu gedenken, bis es dem Himmel gefallen möge, ſie wie⸗ der zu vereinen: wo nicht hier, doch jenſeits gewiß, wo alles Leid und jeder Kummer ſein gewiſſes Ende erreicht.

Nach dieſem beweglichen Auftritte, kam der Graf zu den Kaufleuten in ihre Kajüte, wo er ſie eben beiſammen ſizend fand, ihre mörderiſchen Pläne zu berathen, und ſagte zu ihnen:Achtbare Herren! meinem Auge iſt es nicht entgangen, daß ihr Gefallen findet an dem Welbe, das mit mir iſt 3 ihr glaubt ohne Zweifel, ſie ſei meine angetraute Gattin; aber ihr irret, es iſt nur eine Sklavin, die ich auf meiner Reiſe im Morgenlande erkaufte, und da ich in meinen Geſchäften unglüklich geweſen, und den größten Theil mei⸗ nes Vermögens eingebüßt habe, nun aber des Geldes benöthige; ſo bin ich willens, wohledle Herren, meine Sklavin zu verkaufen; inſofern ihr einer oder der andere, geneigt wäret, mir die anſehnliche Summe zu erſtatten, die ich in den Tagen meines Glükes für ſie hingab.

Als die Kaufleute das hörten, waren ſie erfreut ſo wohlfeilen Kaufes, und ohne einen Mord ſich auf die Seele zu laden, davon zu kommen. Der Handel war bald geſchloſſen, es wurde ihm eine anſehnliche Geldſumme ein gehändigt, und da ſie noch an der Küſte des feſten Landes vorüber ſegelten; ſezte man ein Boot aus, um ihn mit ſeinem Gelde an den Strand zu ſezen. Aber das Schikſal grollte noch mit dem Schwergebeugten, denn kaum befand das Boot ſich auf dem Meere als ſelbes ſich empörte, furchtbare Wogen ſchlug, und das ſchwankende Schifflein hin und wieder ſchleuderte; ſo daß der ſchwere Sak mit dem Sündengelde über Bord fiel, und mit ihm der Graf, der ſich nach dem Schaze, für welchen er ſein theuerſtes Gut verſchleudert hatte, hinabbeugte. Eine Welle faßte deu Beſinnungsloſen, und ſchleuderte ihn auf das Land, und als er den Gebrauch ſeiner Sinne wieder erhielt, ſah er ſich allein, von allem entblößt, und in der Ferne entſchwand ein ſchwarzer Punkt am Hori zonte, es war das Schiff, welches die heißgellebte Gattin nach fremden Regionen trug!

Obgleich er ſich hundertmale den Tod wünſchte, ſo ſchien dieſer ſonſt dienſtfertige Freund, der oft ungebeten und unvermuthet erſcheint, und in mitten irdiſcher Freuden und Glükſeligkeit die Herzen bricht, den unglüklichen lebensſatten Mann nicht zu hören. Er irrte in den Reichen Italiens umher, bis ihn ein vornehmer Herr, welcher ihn faſt verſchmachtend unter einem Baum liegend fand, als er dem Vergnügen der Jagd nachging, freundlich aufnahm, dem er diente, und welcher ihn mit der Zeit beſonders lieb gewann.

Unterdeſſen trug das Kauffartheiſchiff die verkaufte Gattin mit ihren vier Anbetern pfeilſchnell durch die Fluth. Was die kluge Frau vorhergeſehen hatte, und worauf ſie ihre Hoffnungen ſtüzte, geſchah. Die vier Männer, die nun erſt einſahen, daß ſie gemeinſchaftlich ein Gut an ſich gebracht hätten,