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Stük aufgeführt wird, und es findet ſich ein Referent, der bel vielem Lob doch eine kleine Rüge einfließen läßt: da kommt gleich eine Menge anonymer Gegenkritiken, die Hrn. P. zum poe— tiſchen Orakel erheben. So erſt jüngſt bei der ſehr mittelmäßigen„Chriſt— nacht.“ Man ſollte faſt glauben—— indeß es iſt eine ſüße Sache um das „Anräuchern“! So haben ſich auch Gerle in Prag und Uffo Horn, jezt hier als Student, zu einer gegenſei⸗ tigen Lob⸗Aſſekuranz vereinigt(2). Er⸗ ſterer bekannt als alter thätiger Lite- rat, Lezterer als junger Verfaſſer ei— nes mittelmäßigen Trauerſpiels und en compagnie mit Erſterem Verfaſſer des Luſtſpieles, das in der Cotta'ſchen Preisausſchreibung von ſchwäbiſchen Richtern als beſtes bekrönt wurde. Das nennen ſie auch einen Preis: 300 Reichs⸗ gulden, alſo 25 Guineen; und da kon⸗ kurrirten über hundert deutſche Schrift— ſteller! Schade, daß ſich Engländer und Franzoſen jezt ſo viel mit deut⸗ ſcher Sprache und Literatur befaſſen, und uns auslachen können, uns arme Deut ſche, wenn ſie davon leſen. And das geht obenein von der erſten und reichſten Buchhandlung Deutſchlands aus!— Saphir macht mit ſeinem„Hu⸗ moriſten“ gute Geſchäfte, ſeine Ab⸗ nehmerzahl ſoll ſich dem zweiten Tou⸗ ſend nähern, wie man ſagt. Dabei hat Bäuerle ſeinerſeits, wie ich höre, auch nichts verloren: die Leſeluſt für Jour— nale nimmt immer zu, beſonders da die auswärtigen nur wenig kurſiren. Im Felde der Literatur ſind„Rai⸗ munds Werke“ ein ſehr ſchöner Arti⸗ kel der Hofbuchhandlung Rohrmann u. Komp.: ſonſt kamen die alljährigen Taſchenbücher— aber die„Veſta“ blieb für unſere Schönen aus; dann Bücher über das Heil des kalten Waſſers, die Kochkunſt, Dr. Römers dramatiſche Werke, genannt„Theater“, Poſtbü—
cheln und Hans Jörgels Briefe cara Nina che vuoi di pi? Braun⸗ thal redigirt einen„öſterreichiſchen Muſenalmanach“, der viel Schönes brin⸗ gen ſoll und in einer ausländi⸗ ſchen Verlags handlung erſcheint: bravo, ihr hieſigen Makulaturmäkler! — Doch ich bin Ihnen ja noch einen kurzen Vericht über die ſonſtigen Thea⸗ terneuigkeiten ſchuldig. Alſo friſch im Text weiter. An der Wien waren ſeit einiger Zeit„Moiſaſurs Zauberfluch“e, dann das ſogenannte Silber ſtük: „die beiden Gaſtmale“, in jüngſten Tagen„die Schuld“ gute Vorſtellun⸗ gen. Neſtroy wird zu ſeiner Benefize etwas Neues von ſich geben, deſſen Titel oder Inhalt„die Wohnung in der Stadt, Vorſtadt und auf dem Lan⸗ de“ ſein ſoll. In der Leopoldſtadt ſpielt Mad. Jäger als Gaſt; Hr. Nappo her— kuliſirt und produzirt ſeinen Orang- Utang-Sohn: beider Spielraum iſt jezt„Syſiphus“, eine Poſſenkomödie von ſehr ſchwacher Natur. Beſſer war eine Joſephſtädter⸗Poſſe:„der Zünd, hölzelfabrikant“, eine Parodie des Halm'ſchen„Adept“, worin einige ſehr komiſche Szenen und ein Paar recht gute Vonmots vorkommen. Hinter dem Namen S. Berger ſoll F. X. Told ſte⸗ ken. Geſpielt wird die Poſſe indeſſen nichts weniger als brillant. Weiterhin überkam die Joſephſtädter Oper wie— der der Rivalitätsgeiſt mit dem Kärnt—⸗ nerthortheater. Friſchweg nach dieſem gaben die Joſephſtädter den„Torquato Taſſo“ auch: und mit dem feierlichen Stillſchweigen über dieſen Aemula— tionsgeiſt ſchließe ich für diesmal mei⸗ nen Bericht. 2— Prag(15. Jan.). Am 8. d. M. war die Ankunft Seiner Exzellenz des Herrn Oberſtburggrafen, Karl Grafen von Chotek, in die Böhmerhauptſtadt. Sämmtliche Vürgergarden bewillkomm— ten feierlichſt den würdigen Landeschef


