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ſich freilich von den Nachſtellungen ihrer Feinde geſichert; aber der Zuſtand bn welchem ſie ſich befanden, der plözliche Wandel des Geſchikes, welches ſie von der Höhe der Menſchheit hinabgeſtürzt hatte in das tiefſte Elend; das machte den Grafen ganz traurig, und händeringend ging er am Meeresufer auf und nieder und brach in Klagen der Verzweiflung aus.
Da nahte ſich ihm die Gattin, die ſein Verhängniß treulich mit ihm theilte, umarmte ihn und hauchte ſanfte Tröſtungsworte ins ſturmbewegte Herz. —„Sei guten Muthes, mein Herr und Gatte!“ ſagte ſie, ſiehe hier den Demantring, den du mir an dem Tage verehrteſt, an welchem meine Lippen dir verſchämt die Regungen meines Herzens vertrauten. Er war mir als An— denken dieſer ſüßen Stunde vor Allem theuer, und ich trug ihn darum beſtändig in dieſem Beutelchen an meiner Bruſt verborgen. Nimmer konnte ich glauben, daß er einſt dazu beſtimmt ſei, uns aus dringender Noth zu befreien; doch der Himmel weiß Alles zum Beſten der kurzſichtigen Sterblichen zu wenden.“
Der Graf war hievon freudig überraſcht. Sie wurden einig, nach Ge— nua hinein zu gehen, daſelbſt den Stein zu verkaufen und mit dem Erlös nach Frankreich zu eilen, daſelbſt Schuz und Hilfe zu erlangen. Amadäus, dem beim Anblik des Demants alle jene ſeligen Stunden, gleich lächelnden Bildern der Erinnerung, emporſtiegen, als noch das Glük im ſonnigen Freu⸗ denglanze, auf dem Gipfel ſeiner Macht ihn umgab, betrachtete den Edelſtein mit wehmüthig ſüßem Gefühle, und ließ ihn in der Sonne funkeln; da ſchoß plözlich, wie ein Bliz aus heiteren Himmelshöhen, eln großer Raubvogel, vom Glanze des Kleinodes geblendet, aus den Lüften nieder, den Stein aus den Händen des Ueberraſchten raubend, und ehe noch der Graf zur Beſinnung kam, ſchwebte das Raubthier mit ausgebreiteten Schwingen in weiter Ferne über dem Meeresſpiegel. Vergebens ſtrekte der vom Unglüke verfolgte Graf ſeine Hände verzweifelnd aus, nur wenn ihm die Natur Schwingen verliehen hätte, konnte er allein hoffen, das Pfand der Liebe dem frechen Räuber zu ent⸗ reißen.„Ach theure Blanka! ich ſehe die Worte des böſen Flammengeiſtes im mer mehr ſich erfüllen; das Geſchik iſt wider uns, und welcher ſchwache Menſch iſt im Stande gegen den Bund der böſen Mächte zu ſtreiten!“— alſo rief der Graf und wollte ſich in der Verzweiflung ins Meer ſtürzen. Die ſanfte Gattin aber umſtrikte ihn mit keuſchen Armen, hielt ihn zurük, und er— mahnte ihn nicht zu vergeſſen, daß ein liebender Gott über den Sternen wohne, welcher Prüfungen zulaſſe, damit der Stolz, der dem armen Sterb— lichen keinesweges gebühre, gedemüthiget würde; doch wie das Gold rein aus dem Feuerofen, werde ihre Seele, geläutert von den irdiſchen Leidenſchaften, aus dieſen Widerwärtigkeiten ſiegend hervorgehen.
Während dieſe ſanften und rührenden Worte der Tröſtung, von Blankas Lippen zum Herzen des verzweifelnden Gatten drangen, wurden ſie ein Schiff gewahr, welches von der Rhede Genuas kam, und nun wie ein ſtolzer Schwan ſeine blendend weißen Schwingen aufſpannte, ſeinem ſernen Beſtimmungsorte zuzueilen. Als das fürſtliche Paar dieſe Erſcheinung gewahrte, fing es an neuerdings Hoffnung zu faſſen; der Graf rief, Blanka ließ ihren Schleier durch die Lüfte flattern, endlich erſah man ſie und ſchikte alsbald ein Boot aus, ſie an Bord zu bringen. Es war ein großes Kauffahrteiſchiff, worauf ſich vier junge und reiche Kaufleute befanden, die es mit ihren Waaxren be—


