Kunst, Eleganz und Mode.
Seßul er Sabre aꝗ.
2. Sonnabend, 7. Januar. 1837.
Dreißig Jahre!
(Aus den Papieren der Gräfin Rz K.)
Ich hatte die Einladung des Gouverneurs für den Abend, wo Alles in vollem Staate erſcheinen ſollte, um eine Feſtlichkeit zu begehen, abgelehnt. Der heiße Sommertag war Vorbote einer ſchwülen Nacht, auch war ich nicht geſtimmt, mich auch noch in die ſteife Gala zu zwängen. Ich ließ meine Wie— ner Chalſe anſpannen, und fuhr, als es Abends kühler ward, in die herrliche Umgegend; ich überließ mich dem wonnigen Gefühle, das die Erfüllung aller
meiner Wünſche erzeugt hatte. Nach einem ſturmbewegten Leben war ich end— lich zur Ruhe gelangt. Unter einem glorreichen Herrſcher wußte ich mein Beſizthum in Sicherheit, alle meine Güter waren ſchuldenfrei, meine beiden Söhne ſtanden als Offiziere bei den Regimentern am Dnieſter, und waren mein Stolz und meine Freude. Eben heute hatte ich von Beiden beruhigende Briefe erhalten, was mir um ſo willkommener war, da die Unſicherheit des Geſund— heitszuſtandes in ganz Europa durch den aſſatiſchen Typhus unverbürgt war.
Die einzige Tochter war mir als Braut geſtorben. Doch ſegnete ich ſpäter ihre heilige Freiſtätte, welche ſie vor dem Geſchik der nachmaligen unglüklichen Gemahlin ihres Bräutigams bewahrte, da dieſer ein höchſt ty⸗ ranniſcher Gatte geworden, und dann als Verbrecher flüchtig werden mußte, ohne daß von ihm jemals kund geworden iſt, wohin er ſich gewendet.
Obgleich einige Jahre über das fünfte Dezenium auf meinem Lebensweg dahingefloſſen waren, ſo hatte ich mir dennoch einen klaren Geiſt und eine Fri⸗ ſche des Gemüthes bewahrt. Mein Herz ſchlug warm für alle edlern Gefühle. Der Vater meiner Kinder war ſchon vor fünfzehn Jahren in das Grab geſun⸗ ken, den ich als einen edeldenkenden liebevollen Gemahl betrauert hatte und deſſen Andenken mir ſtets im Wehmuthsſchleier vorſchwebte. Er hatte 1 805 7
das ſchönſte Mannesalter erreicht, als die unerbittliche Varze ſeinen n ö faden entzwei ſchnitt. Eben heute war der abermalige Jahrestag feines er N 7


