Nach dieſen Prämiſſen dürften die Damen ſchwerlich Verlangen nach Hy— mens Fakel tragen, allein ich kann ihnen zur Beruhigung melden, daß in der lezten Bundestagſizung der Antrag einſtimmig durchging, in Zukunft den Eheleuten die Liebe zu inokuliren. Lenken Sie demnach Ihre Augen auf mich. Sie werden in Kürze erfahren, daß Sie mit mir gut fuhren, denn ich fabre in wenigen Minuten wieder ab, und Sie werden dann, Trauernde, mit Anſtand ſeufzen können:„Ach! Silveſter! mein Beſter! ruhe ſanft!“—
Mein Leben iſt nur mehr ein kurzes— es war meiſt ein fröhlich beweg— tes, humoriſtiſches Leben. Mein Ausgang aus dieſer Welt wird keinem Auge Thränen koſten, im ſchlimmſten Falle Perlen, welche der gährende Rebenſaft aus den blinzelnden Wimpern preßt. Ich überlaſſe Sie, meine geneigten Hö— rer und Hörerinen, dem neu gebornen Jünglinge mit den Roſenwangen, und mit dem Anker der Hoffnung. Es iſt ein Sprung, den Sie heute in eine neue unbekannte Natur machen. Die Natur, ſagen zwar unſere Gelehrten, liebe keine Sprünge; die Erfahrung aber zeiget das Gegentheil. Ich kenne Viele, die ganz Einfalt und Natur ſind, und doch in der Welt viele Sprünge machen.— Klammern Sie ſich an den Schalk an, denn er iſt flüchtig und unſtät. Ich aber ſcheide mit Schmerz, meine Feder iſt abgelaufen. Ziehen Sie mich in meinen lezten Augenbliken nicht auf, ich gehe ohne aufgezogen zu werden, um mich von jenen zu unterſcheiden, deren Daſein man nur bemerkt, wenn man ſie aufzieht, und deren Ruhm einzig und allein darin beſteht, die dünnſte Taille und die beſt gewichſten Stiefel zu haben. Reden Sie mir, altem Knaben, wenn es Ihnen anders möglich, nicht zu viel Schlimmes nach, denn ich war ſtets ein Feind von langen Vor- und Nachreden.— Das Oel, wel— ches die Mechanik meines Gehewerkes in Bewegung ſezte, iſt aufgetroknet, und ich will nicht jenen Zierbengeln gleichen, denen Alles verkehrt oder gar nicht gebt, weil ſie an jenem Schöpfungstage zu ſpät kamen, als das Oel zur Belebung des geiſtigen Getriebes von dem großen Breguet des Himmels ausgetheilt wurde.— Ich verlaſſe Sie demnach, meine geneigten Hörer und Hörerinen, denn ſchon hebt die Thurmuhr den Hammer aus, und bald wird von mir nichts mehr übrig ſein, als der Staub der Erinnerung. Wohl mir! lebt ein Körnchen davon fort in Ihrem Herzen. Somit ſchließe ich, wie Hans Sachs und Frauenlob zu thun pflegten, mit vieler Hochachtung und wenigen
Verslein: Wenn Mitternacht die Gloke ſchlägt, Erhebt Euch, wakre Zecher, Und lüftet, was die Todten dekt, Und füllet Eure Becher Voll mit Hungariens Feuerweln, Und laſſet hoch ſie leben! Ihr ſeht ſie dann im Dämmerſchein Holdlächelnd uns umſchweben, Denn, wenn auch todt,— ſie ſterben nie, Sie hält Erinn'rung, Phantaſte— Drum hoch die Gläſer! laßt ſie leben! 4 C. W. Koch.


