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Euch zu verfahren, und Ihr werdet ſie ſpäter erfahren. Ich babe Euch die
wahrſcheinlich angenebme Mittheilung zu machen, daß Ihr Euch nicht in der Inquiſition, ſondern in dem Palaſte der Abrazzi befindet.“ f
„In dem Palaſte der Abrazzi! Sagtet Ihr nicht ſo, Eccellenza? Möge
es Euch gefallen, mir zu ſagen, warum ich dieſes Glük habe. Wänſcht der edle Signor raſirt zu ſein, ſo bedauere ich, daß Euer Vote mir nicht Zeit ließ, meine Sachen mitzunehmen; wenn.
„Deshalb habe ich Euch nicht hierher beſchleden. Höret mich an!““
„Ich bin ganz Ohr, edler Signor.“
„So wiſſet denn, ich habe Euch ein großes Glük zu verkünden. Meine Nichte, die Signore Silpia Abrazza, hat ſich höchſt ſeltſamer Weiſe in Euch verliebt.“ f 1
„In mich, in einen armen Barbier, Signor 2“
„Ich geſtehe aufrichtig, daß ich Alles gethan habe, was in meinen Kräf⸗ ten ſtand, um ihr dieſen Wahnſinn auszutreiben, aber ohne Erfolg. Sie hat ſich faſt bis zu Tode gegrämt und ich mußte endlich in die Vorſtellung und die Heirath einwilligen. Seit ich ihr dies zugeſagt, hat ſie ihre gewöhnliche Ge— ſundhelt erlangt und Ihr werdet ihr dieſen Abend vorgeſtellt werden.“
„Mein wer— werther Signor— entſchulbigt meine Freiheit, aber vor treſſlichſte Exzellenz, es gefällt Euch zu ſcherzen.“ un f V Ich ſpreche in vollem Ernſte und obgleich ich Manches gegen die Ver⸗ bindung einzuwenden hätte, ſo iſt doch das Olük meiner Enkelin die erſte Rükſſicht, welche ich zu befolgen habe. Labt Euch, Blondetto, unterdeß an die⸗
ſprang.„Wie außerordentlich! Glüklicher Baptiſta! Ach wenn doch mein Groß⸗ vater von Granada gelebt hatte, um dieſe geſegnete Nacht zu ſehen!“ Das waren ſeine Ausrufungen, als mehrere Diener in das Zimmer traten und er fing nun an, den aufgetragenen Speiſen zuzuſprechen.„Ach!“ meinte der Barbier, indem er mit der Zunge ſchnalzte,„Alles betrachtet, kommt doch dem Cyperweine nichts gleich. Der Falerner, der Teres und gelegentlich der Cognac ſind in ihrer Art recht gut, aber ich meines Theils halte es mit den Orientalen.“ Mit ſolchen Sentenzen unterhielt Baptiſta ſich und die Bedien⸗ ten während er aß, und als er ſich geſaͤttigt hatte, ließ er ſich mit einer wich tigen Miene in ein Zimmer führen, wo er mehrere reiche Anzüge und Alles fand, was zu einer Toilette eines venetianiſchen Edelmannes gehörte. a „Sehr gut,— bortrefflich, wahrhaftig! Dies Wams iſt vom feinſten Tuche, und dies Mäntelchen paßt. Eine goldene Kette! Gerade wie es ſein muß und nun“— und er beſchauete ſich in einem der koſtbaren Spiegel, durch welche Venedig ſich ſo berühmt gemacht hatte—„und nun, Signor Vaptiſta Biondetto, gleichſt du dir ſelbſt.“ a n Einige wenige Gänge im Zimmer auf und ab und eben ſo viele Blike in den Spiegel überzeugten ihn, daß er nicht blos eine gute Partie für eine Signora ſei, ſondern ſogar nicht von der Tochter des Dogen ſelbſt verachtet zu werden brauche. Von dem Ankleidezimmer führte man ihn in einen Saal,


