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die Mutter, d. h. Stiefmutter, welche die meiſte Schuld trug. Das Kind iſt nun einer Wohlthätigkeitsanſtalt zur Erziehung übergeben.— Zu Caub ſoll kürzlich ein Vater, bei Veſtrafung ſei⸗ nes Kindes, daſſelbe getödtet haben.— Traurige Beiſpiele einer, Gottlob im— mer ſeltener werdenden Rohheit. Z.
Peſther Tokalnotizen.
Die Witterung u. die Konſe⸗ quenten. Der Winter hat ſich heuer in Euro— pa ſehr frühzeitig angekündigt; ſchon mit dem November ſtellte ſich harter Froſt ein, und von der Rhone bis zur Wolga ertönten Jeremia— den über die unvorhergeſehenen Folgen, die ein unreifer Reif faſt allenthalben herbei— führte. In dieſer Hinſicht ſind wir hier in Peſth von dem übrigen Europa nicht zu— rükgeblieben, und vielleicht gab es hier mehr als irgendwo Verlegenheiten. Wir erwähnen nur drei: Brük e, Brod und Holz. Die Schiffbrüte, welche die beiden Hauptſtädte Ungarns, ja die zwei Haupttheile des Lan— des verbindet, dieſe Haupt-Ader, welche alle Venen und Nerven zweier mächtig herange— blühten Städte in Cirkulation erhält, mußte des gewaltigen Eiſes wegen, die die Donau mit ſich trieb, ſchon am 13. Nov, ausgebun— den werden, ein in dieſem Jahrhundert noch unerhörter Fall; es bedarf keiner weitern Auseinanderſezung, um darzuthun, welche Fatalitäten dieſer mißliche umſtand verur— ſachte; man erwäge nur den ungeheuren Scha— den, den dadurch der gerade abgehaltene Pe— ſther Jahr markt erlitt.— Die Schiffmühlen mußten aus gleicher Donau-Treibeis-urſache ausgehoben werden, und troz der heuer ſo geſegnet ausgefallenen Ernte, troz des ſpott— wohlfeilen Getreides, erhielten wir ſchneller als der Wind ſehr hohe Mehl- und Brod— breiſe. Endlich ward die Waſſerzufuhr des Brennholzes, dito wegen des Eiſes, unmöglich, und unſere Holzverſilberer wußten für das Wohl der Menſchheit nichts Eiligeres zu thun, als ihr Brennſtoff um 28 bis 30 Prozent im Preiſe zu erhöhen.— Aber ſiehe da! der gü— tige Himmel wollte nicht lange zür nen. Er ſchien nur gewollt, eine warnende Stimme ver— nehmen zu laſſen. Gleichſam als wollte er ſagen:„Seht euch vor!“— Er ſagte: „Seht euch vor! Bauet euch eine feſte ſteinerne oder eiſerne Brüke,
die im Winter wie im Sommer felſenfeſt al, len Launen und Wechſelfällen der Elemente trozet, und wie ſie ſolchen zwei großen Städ— ten ziemet. Trachtet darnach, verbannet klein— liche Rükſichten und ihr werdet ſie erlangen. Der Menſch kann, wenn er nur will.— Seht euch vor! Verlaßt euch nicht auf die unſichern Wogen des unbeſtändigen Iſters. Haltet nur Donau-Schiffmühlen zur Aushilfe, erbauet aber große Dampfmühlen zu Lande, wie deren die Hauptſtadt Pohlens eine beſizt, und damit nicht nur den eigenen Mehlbedarf dekt, ſondern ſogar das Ausland verſieht.— Seht euch vor! Der Sommer iſt groß. Füllet eure Holzlageſtätten während der günſtigen Jahreszeit. Verlaßt euch nicht auf die lezte Stunde und ihr werdet in keine hölzerne Nöthen gerathen.“— und nachdem der Himmel ſo zu ſprechen geſchienen, da blies es ſanft und mild von oben herab. Ver— ſchwunden war die Strenge, der grämliche zur Unzeit angerükte winterliche patron muß— te weichen, und wir hatten bis heute, an den Tag wo dies geſchrieben wird, die ſchönſte und angenehmſte Herbſtwitterung.— Allein was waren die Folgen? Die Schiffbrüke konn— te nicht wieder eingehoben werden; denn das hebt ſich nicht ſo leicht ein, und der Himmel garantirte nicht ausdrüklich das Anhalten der milden Temperatur. Man blieb alſo ko n— ſequent und ließ die Brükentheile im Win— terquartier. Wohl kamen aber die Schiffmüh— len wieder an ihre Stelle, aber Mehl- und Brodpreiſe blieben auch faſt ganz auf ihrer Stelle, nämlich auf ihrer hohen Stelle Mül— ler und Bäker ſind ſtets konſeguent!— Wohl ward die. Zufuhr des Holzes wieder möglich, aber unmöglich ſcheint es, einen Holzverſilberer umzuſtimmen, wenn es gilt, den Preis ſeiner Waare herabzuſezen. Hier kommt ihm Niemand an Ko nſequenz gleich. Wir haben alſo keine Brüke, theures Brod, theures Holz, Alles aus Kon ſe⸗ quenz, und das ſind hier namentlich Wit— terungs⸗Konſequenzen. R.
Muſik. Dieſe Woche fällt ſehr mu— ſikaliſch aus. Am 5. Dez. fand das erſte der vier Abbonnements-Konzerte der Hrn. Szer⸗ waſzinski und Merkel im Jägerhornſaale ſtatt. Es war eben ſo frequent als intereſſant. Heute den 12. geht das zweite vor ſich und die andern zwei werden am 19. und 26. fol⸗ gen. Wo ſolche Künſtler mitwirken, läßt ſich


