Sonnabend, 12. Dezember. f 1855.
Kunst, Eleganz und Mode.
(Achter Jahrgang.)
Halbjähriger Preis 4 1 mit freier Poſtzu⸗ 2 Man pränumerirt im Kommiſſlonsamt zu Ofen ſendung 5 fl. Auf Velinpapier mit erſten 2(Feſtungsauffahrt), in Ferd. Tomalas Kunſthand— Kupferabdrilken 5 fl. und poſtfrei 6 fl. C. M. e lung zu Peſth und bei allen k. k. Poſtämtern.
Die Pariſer Bettler.
(Fortſezung.)
Auf dem Boulevard Montmartre, nicht weit von der Paſſage du Pano⸗ rama, begegnete ich eines Abends gegen halb zwölf Uhr einer Frau von etwa dreißig Jahren, welche in einen alten, ſchlechten braunen Shawl eingehüllt war und ein kleines Kind auf dem Arme trug. Monsieur, winſelte ſie mich an, indem ſie mir bie Hand entgegenſtrekte, quelque chose, s'il vous plait, pour mon pauvre petit enfant, auquel je ne puis plus donner le sein g faute de nourriture. Die Frau hatte in dem Ton ihrer Stimme etwas ſo Klägliches, Jämmerliches, daß ich ihr ſchnell ein Almoſen gab und davon eilte. Das war vor zwei Jahren; vorgeſtern nun bin ich derſelben Fran in ihrem alten, braunen Shawl wieder begegnet; ſie kam auf mich zu und wiederholte dieſelbe Anrede mit demſelben Tone, wie vor zwei Jahren.„Lieber Herr, ſchenken Sie mir gefälligſt eine Gabe für mein kleines Kind, dem ich aus Mangel an Nahrung nicht mehr die Bruſt geben kann.“ Comment! erwiderte ich in einer Anwandlung naiven Erſtaunens, il tette encore 2 Und die Frau ging fort, indem ſie etwas zwiſchen den Zähnen murmelte, das ich nicht verſtand.
Wenn man von dem Arbeiter ſpricht, dem ſeine Kinder Holz haken, pflü⸗ gen, ſäen, heuen, ernten oder ſonſtige Handarbeiten mit verrichten hel fen, ſo ſagt man wohl: die Kinder ſind das Glük und der Reichthum der Armen. Das könnte man viel eher auf die Pariſer Bettler, als auf die fleißigen Ar— beiter anwenden. Die Armen in Paris erziehen Kinder, wie andere Leute junge Hunde aufziehen oder Leinwand weben, aus bloßer Spekulation. Wenn die Frau eines Bettlers ein Ungeheuer, eine Mißgeburt zur Welt bringt, ſo ſagt man ihr: die Frucht deines Schoßes iſt geſegnet! Die Arten, welche


