3
Mittwoch, 9. Oezenber. 1355.
Kunst, Eleganz und Mode.
(Achter Jahrgang.)
Halbjähriger Preis 4 fl., mit freier Poſtzu⸗ Man pränumerirt im Kommiſſionsamt zu Ofen
Kupferabdrüken 5 fl. und poſtfrei 6 fl. C. M.
2 8 ſendung 5 fl. Auf Belinpapier mit erſten 2(Feſtungsauffahrt), in Ferd. Tomalas Kunſthand— 3 4
lung zu Peſth und bei allen k. k. Poſtämtern.
90 Qi e, Nariſer Bettler.
Es gibt in Paris tauſend verſchiedene Arten zu betteln; theils geſchieht es mit vielem Anſtande und bloß durch ſtumme Darlegung der Dürftigkeit, theils auch durch lautes, ungeſtümmes Anfordern und andere widrige Mittel. Wenn wir in ein Kabriolet einſteigen, iſt uns ein alter Mann behilflich und legt uns einen ſchwarzen Teppich unter die Füße, zieht hierauf ſchweigend den Hut ab und ſieht uns mit einer flehenden Miene an; wenn wir ausſteigen, iſt ſofort wiederum ein anderer dienſtwilliger Genius da, welcher gleichfalls einen ſchwarzen Teppich auf dem Wagenaustritt ausbreitet, den Hut abnimmt und eine jämmerliche Gebehrde macht; ſobald wir Jedem ein Zweiſousſtük zu⸗ werfen, verneigen ſie ſich dankbar. Wenn man einen Fiaker nimmt, bleibt der Kutſcher gewöhnlich auf ſeinem Boke ſizen; ein anderer höflicher Menſch öffget den Wagenſchlag, macht den Tritt herunter, fragt wohin man wolle, und ſchreit die Antwort dem Kutſcher zu; darauf wendet er ſich mit bittendem Ton an den Fremden: Mon maitre! la moindre de vos moindres! bis dieſer, ungeduldig über den Aufſchub, den der dienſtfertige Geiſt verurſacht, ihm einige Sous gibt, wofür er ſeine Dankbarkeit gewöhnlich in einer burlesken, aber zugleich ſchmeichelhaften Redensart ausdrükt, als: Allons, mon vieux, tape à mort pour d'aimables bourgois! u. ſ. w. Führt man Damen ins Theater, ſo weiſt einem die Aufwärterin die Loge an, nachdem ſie kleine Fuß⸗ f bänke für die Damen hingeſtellt hat, welche man natürlich nach Generoſität bezahlen muß. Hat man im Kaffehauſe ſeine Taſſe Chokolade getrunken oder ſonſt etwas genommen, muß man außer der gewöhnlichen Bezahlung immer noch ein kleines Trinkgeld für den Kellner hinzufügen; man läuft zwar keine Ge⸗ fahr, übermüthige Späſſe zu hören, aber man mag doch auch nicht gerne mür⸗


