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von Blackrivertown große Summen für die Feſte“ unterzeichnet, und dies ver⸗ ſchaffte uns ein höchſt unterhaltendes und munteres Schauſpiel.
Schwer iſt es, die Eiferſucht beider Partelen gegen einander zu ſchil⸗ dern; man mußte die Rothen von den Blauen, und die Blauen von den Ro— then ſprechen hören, ſie ſtritten auch hierin um die Ehre, wer die Bemühun— gen des andern Theils, bei dem Feſte glanzvoll aufzutreten, am beſten herab— ſezen könne. Die Blauen hatten indeß den Vorrang, dies geſtand ſelbſt ein rothes Mädchen, obwohl ſie hinzuſezte:„ich möchte doch um Alles in der Welt nicht blau ſein.“ Auf der andern Seite war Miſtreß Edwards, die Wirthin des Hotels, in welchem wir wohnten, blau bis an die Fingerſpizen. Sie hatte eine Sklavin geliefert, um bei der Feierlichkeit eine wichtige Rolle zu ſpie— len, im Augenblik aber, wo der Zug ſich in Marſch ſezen ſollte, entſtand eine unruhige Bewegung, als fehlte noch etwas, und allerdings fehlte noch etwas ſehr Weſentliches, nämlich die Sklavin der Miſtreß Edwards, die ſich nicht an ihren Ehrenpoſten begeben wollte. Alsbald trat eine große Frau in Trauer— Miſtreß Edwards ſelbſt,— aus dem Hotel, und zog mit der Hand eine ſeltſame Figur herbei, die ganz mit Rauſchgold und Flitterwerk, mit Federn und gemaltem Pappendekel bedekt war, und nur widerwillig vorwärts ging: dies war Britannia in Perſon, mit einem Schild, der das Wap⸗ pen Großbritanniens trug, einen Dreizak in der Hand, und einen Helm aus
blauer Seide und Silber, mit einem Federbuſch auf dem Kopf hatte. Das arme Mädchen war ganz beſchämt, ſich in einem ſo pomphaften Aufzuge vor einer ſo großen Maſſe von Zuſchauern zu zeigen. Sie wurde mit Freudenge— ſchrei empfangen, die Muſik gab das Zeichen, und Miſtreß Edwards der Göt— tin einen tüchtigen Puff, um ſie in die Reihen einzuſchieben, wo ſie nun durch die Spielleute und Tambours feſtgehalten wurde.
Die Deviſe der Blauen war die patriotiſchere, die der Rothen die ga— lantere; auf der blauen Fahne ſtand:„Großbritannien ſiegt;“ auf der ro— then:„es leben die rothen Mädchen.“ Hinſichtlich des Geſchmaks und der Er— findung blieb die Palme den Blauen. An ihrer Spize marſchirte zuerſt Bri— tannia, dann die Muſik, dann die Fahne und hierauf der König und die Kö— nigin der Blauen. Leztere erſchien prächtig geſchnükt in einer weißen, ſilber— geſtikten Kleidung, und zum Zeichen der Verachtung für die feindliche Partei trug ein roth gekleideter Vage ihre Schleppe. Seine Majeſtät trug die große Uniform eines engliſchen Admirals mit einer Schärpe von weißer Seide, und einem ungeheuern dreiekigen Hut mit einer Krone von Goldpapfer darüber. Hierauf kam der Wagen Nelſons, eine Art Kahn mit blauer ſilberge— ſtikter Draperie und dem Worte„Trafalgar“ auf dem Vordertheile. Den Zug ſchloß eine lange Kortege von blauen Würdeträgern, lauter Prinzen und Prin— zeſſinen, Herzoge und Herzoginen, die Knaben wie die Väter, die Töchter wie die Mütter: dieſe leztern trugen einen blauen Rok mit weißem Spenzer.
Die rothen Mädchen waren gleichfalls artig geſchmükt, aber in ihrem Zuge befand ſich nichts, was ſich mit dem Wagen Nelſons und der Britannia meſſen konnte, und als der rothe Thron erſchien, wurde viel geſpöttelt. Auch hörte ich viel reden von Jack Canot und ſeinem Rivalen Jack Krebs, aber ſie erſchienen bei dieſer Prozeſſion nicht mehr, denn ſie hatten, wie es ſcheint, ihre eigenen Intereſſen, gingen von Haus zu Haus, um ihre Kapriolen zu


