Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
755
 
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Vieles geeigneter gemacht. Sein erſter Gedanke war, den Dragoner und den Zeremonienmeiſter zu fordern; aber Klugheit gewann die Oberhand, und er entwarf ein ſehr gemäßigtes Billet an Herrn Doktor Lovegrove, Hochwürden, in welchem er um gefällige Anzeige der Urſache der ihm widerfahrenen, ſo un zeremoniellen Behandlung ergebenſt bat; den Empfehlungsbrief des Neffen ſchloß er bei. Als er mit Schreiben und Abſchreiben fertig war, fand ſich, daß es zu ſpät war, das Billet abzuſchiken. Alſo legte er ſich zu Bett und ſchlief troz aller Strapaze, Wuth und Anſtrengung bis tief am Morgen. a Da Pritchcraft Bedenken getragen haben würde, nach der lächerlichen Figur, die er am Abend vorher geſplelt, und ehe nicht genügende Aufklärung erfolgt, ſein Hotel zu verlaſſen, ſo war es in der That ein glüklicher Zufall für ihn, daß es den ganzen nächſten Tag ohne Unterlaß regnete. Das Billet wurde inzwiſchen nach dem Pfarrhauſe geſchikt, und die in geziemender Friſt überbrachte Antwort war ſo begütigenden Inhalts, daß Pritcheraft ſich voll kommen verſöhnt fühlte. Der Doktor ſchrieb, der beigefügte Brief ſeines Nef ſen babe ihn von einem höchſt ſonderbaren und unglüklichen Irrthum überzeugt, einem Irrthum, für welchen er weder hinreichende Genugthuung, noch Ent ſchuldig ung bieten könne, der jedoch durch die, von Herrn Pritcheraft ſelbſt ibm behändigte, zum Beweis beiliegende Karte veranlaßt worden ſei, erklärte, daß er demgemäß Herrn Vritcheraft irrtbümlich für einen Schneider gehal ten, berſicherte, daß er keinen Augenblik verlieren werde, ſothanen höchſt un angenehmen Irrtbum gegen Herrn Süß, den Hauptmann Lovington und mit wem er ſonſt zu ſprechen komme, aufrichtig zu bekennen, hoffte, daß Herr Vritchcraft, ſobald das Wetter ſich aufhelle, ohne weitere Einladung nach dem Pfarrhauſe kommen werde, und bemerkte ſchließlich, daß die Damen ſich freuen würden, ihn zu ſehen.Iſt der Mann verrükt? rief Pritcheraft. Die bei ge fügte Karte war auf den Boden gefallen, er bob ſie auf und erblikte zu ſeinem nicht geringen Erſtaunen eine gewöhnliche Verkaufskarte vonPritch⸗ craft, Schneider und Kleiderverfertiger, auch fertige Kleidungsſtüke in Aus⸗ wahl vorräthig, Nr. 15 Holbornhügel. Das Umdrehen der Karte löste das Näthſel! es war dieſelbe, auf deren Rükſeite Harry Lovegrove des Gaſt haus angemerkt hatte, von welchem der Sturmwind abfuhr. Pritcherafts hatte ſie in die Taſche geſtekt und dem Doktor ſtatt ſeiner eigenen behändigt, in⸗ dem es damals zu ſinſter war, Geſchriebenes oder Gedruktes zu erkennen. Na türlich gab nun Pritchcraft alle Schießpulver- und Racheplane auf und ſich, nochmals den Bildern einer wonnereichen Zukunft hin. Alles lächelte ihm, nur das Wetter nicht. Der Barometer war noch im Fallen, und der folgende Tag eben ſo naß, wie der vorhergegangene. Dennoch machte Herr Süß, der Zeremonienmeiſter, ſeine Aufwartung, und da er einer der artigſten und amu⸗ ſanteſten Menſchen von der Welt war, ſo lachte er auf eine ſehr angenehme und unterhaltende Weiſe über den drolligten Irrthum des kleinen Pfarrherru. Dabei ſagte er Pritchcraft in Betreff ſeines Tanzes viel Schönes, und endigte mit der konfidentiellen Verſicherung, daß, als er geſtern im Pfarrhauſe zu Mittag geſpeiſt, er nicht umhin gekonnt habe, wahrzunehmen, in welch außer ordentlicher Gunſt Herr Pritchcraft bei den dortigen Damen, und ganz beſon ders bei Miß Lovegrove ſtehe. Der Ton, in welchem Herr Süß dieſe Ver ſiche⸗ rung ausſprach, war ſo markirt, daß Pritcheraft darin deutlich die Abſicht