Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
747
 
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ſeiner Hoffnungen, Wünſche und Anſtrengungen. Endlich gewahrte er zu ſei⸗ ner innigſten Seelenfreude auf einer Vank die ältliche, korpulente Dame aus Kenſingtongarden. Sie war angethan mit einem karmoſinrothen Sammtkleide, deſſen Schnitt nebſt angebängten Zierrathen dem Zeitalter von Sarah Jen⸗ nings, der berühmten Herzogin von Marlborough, angehören mochte; eine rabenſchwarze Lokenperrüke, überragt von einem ſchwefelgelben Turban, vol lendete den reichen Kunſtbau ihres Anzugs, und da ſie ein paar Wangen hatte, ſo rund und roth wie eine voll aufgeblühte Päonie, ſo erschien ſie Pritcheraft, der an jenem Abende Alles hübſch fand, eine ſehr reſpektable, ältliche Dame. Er eilte daher, einen leeren Siz an ihrer Seite einzunehmen, und wurde augenbliklich für den galanten Nitter vom Fächer erkannt. Ohne weitere Ein leitung knüpfte er ſogleich ein vertrautes Geſpräch an, ſpielte den Angeneh⸗ men aus Leibeskräften und wurde freundlich aufgenommen und freundlich an gehört, ſelbſt ehe er noch erwähnte, daß er ſeit lange das Vergnügen habe, den Neffen, Herrn Harry Lovegrove, zu kennen, daß er von ihm mit einem Empfehlungsſchreiben beehrt worden, und daß er ſo glüklich geweſen ſei, mit dem Herrn Doktor in demſelben Eilwagen zu reiſen. Die Dame ihrerſeits verſicherte ihn wiederholt, wie innig leid es ihr bis auf den jezigen Augen⸗ blik gethan, den Namen ihres aufmerkſamen Bekannten nicht ausmitteln zu können, daß Doktor Lovegrove ſich glüklich ſchäzen werde, ſeine nähere Be⸗ kanntſchaft zu machen, und daß derſelbe, den Geſchäfte laͤnger in London zu rükgehalten, troz ſeiner ſpäten Ankunft auf dem Pfarrhauſe, nicht unterlaſ ſen werde, die Damen abzuholen. Pritcheraft war entzükt, den vöchſt vor theilhaften Eindruk zu bemerken, den er unſtreitig gemacht, Bilder voll Se ligkeit und Wonne zitterten vor ſeinem trunkenen Auge, ihm blieb es kein Zweifel, daß ſeine beturbante Freundin ſich ſeiner Sache annehmen, ſeine Bewerbung um Miß Lovegrobve unterſtüzen und folglich den gewiſſen zwanzig tauſend Pfund gewiß nicht erlauben werde, einen Weg aus der Familie zu finden. Und mit ſo viel Anſtand und Würde ſchritten Veide die Zimmer auf und nieder, daß Aller Augen nur ein Ziel verfolgten, den langen, magern Mann mit der langen Naſe und die dike, rotbwangige Dame mit dem karmo ſinenen Sammtkleide und der rabenſchwarzen Perrüke. Alles dies hatte den klugen Pritcheraft indeſſen keine Minute gehindert, aufmerkſamen Bliks jeden Winkel des Vallſaals zu durchſpähen und jedes der fünfunddreißig Paare zu muſtern, die mit größter Anſtrengung auf Zehen und Ferſen tanzten, ledig lich zum Beſten der berühmten Wohlthätigkeitsanſtalt:Aſyl für Wittwen und Wittwer. Und ſeine Augen hatten in der Maſſe der Tänzerinen den bezaubernden Gegenſtand ſeiner Anbetung, Miß Lovegrove, ſchnell herausge⸗ funden, aber aach ſeine Eiferſucht war einigermaßen bei der Wahrnehmung rege worden, daß die junge Dame an den gekreuzten Händen, an dem Hinab⸗ chaſſiren und an dem Hand in Hand ziemlich großen, und noch bei weitem grö⸗ ßern Gefallen an dem etwas vertrauten und leiſen Zuflüſtern ihres Tänzets zu finden ſchien, der, ein ſchöner, ſchlanker Mann, die damalige glänzende Dragoneruniform trug. Nicht als ob Pritcherafts Veſcheidenheit auch nur einen Augenblik die Beſorgniß genährt hätte, daß er durch Vergleichung mit beſagtem leichten Dragoner im Entfernteſten verlieren könnte, das keineswegs; ganz allein, weil Lezterer ſich im momentanen Beſize befand und er ähnlichen

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