Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
743
 
Einzelbild herunterladen

145

zu regulariſiren, und beſtehet aus el⸗ nem Präſidenten, einem Vizepraſiden⸗ een, 12 Beiſizern und einem Sekretär, die alle ſechs Monate gewählt werden. Dieſes Tribunal entſcheidet über die zweifelhaften Fälle, die eine der beiden Parteien ihm vorlegt. R.

A m ſt e rda m. Hier befindet ſich der Sohn des Sultans Coera-Karra, um die Buchdrukerkunſt zu erlernen. Sein zwölfjähriger Vetter begleitet ihn. R.

Bräüſſel. Hier iſt eine Dame aus den Vereinigten Staaten, als Miſ ſionärin der Geſellſchaft zur Abſchaf fung der Sklaverei, angekommen. R.

Wien. Seit Kurzem hat die Straßenpolizei eine neue Verordnung in Betreff des Kliebens des Brennhol⸗ zes auf den Straßen der innern Stadt erlaſſen, wodurch Ordnung und Si cherheit bedeutend befördert werden. Un⸗ ſere Straßen ſind größtentheils eng, und ſelbſt in den breiteren war die Paſſage für Fahrende und Fußgänger gehemmt und gefährdet, wenn es ſich wie häufig in dieſer Jahreszeit trifft, daß an zwei einander gegenüber ſtehenden Häuſern Holz gehauen wird. Dieſem Unfug iſt nun geſteuert; wo es angeht, muß das Holz in dem Hof raum abgeladen und geſchlichtet wer den, auf keinen Fall darf es aber mehr an zwei einander gegenüber liegenden Häuſern zu gleicher Zeit geſchehen; an den zwei Tagen jeder Woche, wo die großen Zuführen erfolgen, darf durchaus kein Holz in den Straßen der innern Stadt aufgehäuft werden. B.

St. Petersburg. Die St. Pe⸗ tersburger deutſche Zeitung bemerkt, daß der ruſſiſche Kaiſertitel zwar im Franzöſiſchen am Veſten Tſar oder Tzar, im Deutſchen aber einfach Zar geſchrie⸗ ben werde. Es möge Manchem vielleicht nicht gelehrt genug ausſehen, aber es ſei doch allein richtig. 2.7

Paris. Das Theater Ambigu Comique wird nächſtens öffentlich ver auktionirt werden. Sein Bau hat 2 Mill. Franks gekoſtet; der Ausbie⸗ tungspreis wird aber nur 300,000 Fr. betragen. 4

Leipzig. Es hat wieder Einer dieKunſt reich zu werden erfunden und ein Buch druken laſſen.(Die Kunſt reich zu werden, ein Noth- und Hilfsbüchlein für arme Schluker von Goldmann, reichem Gutsbeſizer in der goldenen Aue der Genügſamkeit.) Ein Rezenſent rühmt von dem Ver⸗ faſſer, daß es ein Mann von guter Na tur und hanfenen Nerven ſein müſſe, weil er noch mit gutem Humor über Dinge ſcherzen lönne, über die Andere weinten. Unter andern ermuntert der Verfaſſer die vielleicht zu zart fühlen⸗ den Seelen der Großen, die ihre hin länglichen Ahnen haben, ſich doch kein Gewiſſen daraus zu machen, wenn ſie nach der Modeart ihre Schulden nicht bezahlten. Die Sache ſei geſchichtlich begründet: Ihre Ahnen hätten Wege lagerer gemacht und vom Sattel und Stegreif gelebt, wie man von den Raubrittern zu ſagen pflegt, und alle Welt habe ihr Recht dazu anerkannt; jezt ſel's abgekommen, daß die Edlen den vorüberziehenden Bürgern u. Kauf leuten ihr Gut raubten, aber es bliebe ihnen das Recht, ihre Anſprüche auf das bürgerliche Gut durch die zartere Weiſe des Schuldenmachens geltend zu machen. G.

Genua. Jener Paganink, wel cher hier an der Cholera ſtarb, und mit dem Violinvirtuoſen verwechſelt wurde, war ein Arzt und großer Mu ſikliebhaber. Er hinterläßt ein Ver⸗ mögen von nahe an 4 Mill. Gulden, während ſein berübmter Namensvetter kaum die Hälfte ſo viel beſtzen ſoll. Von dieſem großen Vermögen hat Dr. Paganini burch Teſtament den größten