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log erſtreke ſich nicht über den gewoͤhn⸗ lichen Konverſations-Horizont, dem ge⸗ wöhnlichen„Wie gehts Ihnen“,„Wie befinden Sie ſich“, und nur der Um⸗ ſtand, daß Dem. Hagn darin gaſtirte, hielt das ſchwache Gebäude aufrecht. Ich traue meinem Freunde viel Ge⸗ ſchmak zu, da er aber ein kleiner Rai⸗ ſonneur iſt, ſo bürge ich nicht für die Richtigkeit dieſes Uttheils.— Dem. Hagn, k. preußiſche Hofſchauſpielerin, der ein äußerſt günſtiger Ruf voran— ging, gab bereits in Raupach's„Co⸗ rona von Saluzzo“ die Corona, die Tochter, in„Goldſchmidts Töchterlein“, in der„Mirandolina“ die Titelrolle, die Julie in„Romeo und Julie“ und vorgeſtern die Eugenie in der„Toch⸗ ter des Geizigen“ und die Guiglielmine in dem Schauſpiele, der Hirſch“. Dem. Hagn iſt eine ſehr liebenswürdige Er— ſcheinung und entzükt ſchon durch ihr Aeußeres den Zuſchauer, ob auch die Zuſchauerinen, bin ich neugierig. Der Eindruk, den Delle. Hagn auf den Seh⸗ und Gehörſinn, durch ihre lieb— liche Geſtalt und ihr ſonores Organ macht, betäubt alle innere Sinne und auch— den Kunſtſinn. Die Leiſtung der geehrten Gaſtin in„Goldſchmids Töchterlein“, war eine ausgezeichnete, hingegen ſprach ſie mich in der„Mi⸗ randolina“ ſehr wenig an. Ich glaube, Delle. Hagn markirte etwas zu ſtark, was man in der Kunſtſprache das„Auf⸗ tragen“ nennt. Auch das Koſtume als Mlrandolina war zwar recht hübſch, aber nicht zwekmäßig und der Situa⸗ tion nicht entſprechend. Die Beurthei—⸗ lung der Leiſtungen der Delle. Hagn von Saphir muß man daher wirklich klaſſiſch nennen.— Hr. und Mad. Ret⸗ tich, geb. Gley, ſind im Hofburgthea⸗ ter engagirt, ſo wie man auch Madam Schröder ebenfalls als engagirtes Mit⸗ glied erwartet. Welchen Genuß die Thea⸗ terfreunde zu erwarten haben, kann
man ſich leicht denken.— Im Hofopern⸗ theat. intreſſirt jezt allgemein die kleine Thereſa Ottavo, eine Schülerin von Paganini u. Beriot. Am 11. Novemb. ſpielte ſie die von Paganini eigends für ſie komponirte Violinvariationen, und entwikelte eine für ihr Alter wire lich bemerlenswerthe Geläufigkeit und Handhabung des Inſtrumentes. Reich⸗ haltiger Beifall und ein zweimaliges Hervorrufen ward der jungen Künſtle⸗ rin zu Theil. Die Vorſtadttheater bringen wenig Neues, das des Beſpre⸗ chens in dieſen Blättern werth wäre. — Aus dem Mittwochblatte erſah ich, daß der Bader und Humoriſt Schelle, die Zahl meiner Kollegen vermehrte, welches mich ſehr freut, denn wenn ich vielleicht als Policinello bei einem ge⸗ wagten Sprunge ein Bein beeche, ſo hoffe ich, daß mir Kollega Schelle ſeine hilfreiche Hand nicht entziehen wird, da ich ihn jezt als Hausdoktor zu un⸗ ſerer Korreſpondenten-Familie rechne. Policinello.
Paris. Hier wurde am 2. No— vember Meyerbeers„Robert der Teu— fel“ zum 150ſten Male gegeben, und zum 150 fſten Male war der ungeheure Saal der franzöſiſchen Oper überfüllt. Eine junge Sängerin, Dem. Fleécheux, debutirte und fand außerordentlichen Beifall; man prophezeit in ihr eine der größten Sängerinen.— Bellinis „Norma“ wird nächſtens hier im Thea⸗ ter Favart zum Erſtenmal in die Szene kommen. Ein hieſiges Blatt will ganz zuverläſſig wiſſen, daß dieſe Oper das Sujet der„Veſtalin“ habe!! R.
Miszellen.
New⸗ Orleans. Es beſtehet hier ein Tribunal ganz neuer Art, es heißt: Tribunal der Ehre. Der Zwek dieſer Geſellſchaft iſt, das Duell


