Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
726
 
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Empörung reihten, ſchrieb Mendizabal, unter dem Vorwande, ſeine Truppen zu kleiden und zu nähern, Kontributionen aus. Bekanntlich gelang es Riego, binnen einem Monate den Bewohnern der Provinz ſeine revolutionäre Begeiſte⸗ rung mitzutheilen, allein weniger bekannt iſt, daß Mendizabal in noch kür⸗ zerer Zeit ihre Börſen leichter zu machen verſtand. Als Ferdinand VII. ſich genöthigt ſah, die Konſtitution zu beſchwören, und alle durch das Inſurrek⸗ tionsheer gemachten Ernennungen zu Aemtern und Würden anzuerkennen, ſah ſich der glükliche Mendizabal in ſeiner Intendantſchaft befeſtigt, und kam unter dem Schuze Riegos und Quirogas nach Madrid, um ſeine Finanzoperationen fortzuſezen, welche jedoch durch das franzöſiſche Heer im Jahre 1825 wieder zu nichte wurde. Er verließ damals Spanien in großer Eile, aber wie es ſcheint, nicht mit leeren Händen. Im J. 1820 war er baar fuß in Riegos Lager gekommen; jezt hat er 40 Millionen in Vermögen. Das iſt der Mann, in deſſen Hände man jezt das Schikſal des revolutionären Spaniens gegeben hat. Ob die finanziellen Verechnungen, die er projektirt, Ordnung in die Staats verwaltung bringen werden, ſteht dahin; prophezeihen kann man aber, daß ſeine eigenen Sachen nicht dadurch zurükgehen werden.(Engliſche Blätter er⸗

klaren indeſſen den größten Theil obiger Angaben für erdichtet.)

Teitung der Novitäten und Anfichten.

Theater.

Wien(8. November). Mad.

Rettich⸗Gley fährt fort, nachdem ſie

fortgefahren hat, in ihren Gaſtrollen fortzufahren. Vorgeſtern gab ſie, als lezte Gaſtrolle im Hofburgtheater, das Gretchen imFauſt. Die Vorſtellung fand bereits zum drittenmale mit die ſer Künſtlerin Statt, ein deutlicher Beweis, wie meiſterhaft dieſeSze nen aus Fauſt gegeben wurden. Ge ſtern ſpielte Mad. Nettich-Gley in der Joſephſtadt, zur Einnahme der Mad. Klein, aus Gefälligkeit, die Julie, imRomeo und Julie. Dieſer Vor ſtellung konnte ich nicht beiwohnen, denn ich beſuchte die Leopoldſtadt, wo die Einnahme des fleißigen BVrabbee ſtattfand.Die Quellennymphe oderEheſtandsleiden, ſo hieß die neue Zauberpoſſe, die ich geſtern ſah, und im Ganzen anſprach. Bei dieſer Vorſtellung verdient wieder die Direk⸗

tion unſern wärmſten Dank; denn ſie that Alles, was nur immer der Bil ligdenkende zu fordern im Stande iſt. Die Mitſpielenden trugen merklich zum Gelingen des Ganzen bei, und als be ſonders lobenswerth nennen wir Hrn. Scutta, von dem auch die Muſik iſt. Als Komiker und Kompoſiteur gleich beliebt, erübriget uns nichts mehr als ſeinen Namen zu nennen, um die Verdienſte des Komikers ſowohl, als auch des Kompoſiteurs, in ein ſchönes Licht zu ſezen. Auch der Benefiziant darf hier nicht übergangen werden, der in ſeiner kleinen Rolle bewies, daß es nur eines nie raſtenden Fleißes und eines anhaltenden Bemühens bedarf, um aus noch ſo Kleinem Etwas zu machen, und daß das Verdienſt in einer noch ſo kleinen Rolle immer hervor ſchimmert und anerkannt wird. Der Heros des Volkstheaters, der ſeit Jah ren begünſtigte Liebling der komiſchen Muſe, Hr. Ignaz Schuſter iſt, nachdem er erſt kürzlich vom Theater abging,