Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
722
 
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Doch! Heut! So eben.

Wie

Eine große Thräne brach aus Eugens Auge, und mit leiſer, halb er⸗ ſtikter Stimme ſagte er:In deinem Huuſe begegnete ſie mir. Es iſt deine Frau!

Er ſtand raſch auf, und trat von dem Freunde weg an das Fenſter. Er ſah nicht, wie Felir zuſammenfuhr, wie es aus ſeinen Augen blizte, wie ſeine Züge nach und nach wieder in die alte, kalte Ruhe ſanken. Endlich ſagte Felix:Das freut mich. Wirb um Klementinens Liebe; ich trete ſie dir ab.

Heftig wandte ſich Eugen zu ihm, und ſah ihm, keines Wortes mächtig, in das dunkle Auge. ö

Ich ſcherze nicht, ſprach Felix weiter.Glaub' übrigens nicht, daß ich, um dich glüklich zu machen, in edler, Alles opfernder Freundſchaft mit brechendem Herzen ihr entſage. Gott bewahre! Solch ein Narr bin ich nicht. Ringe, umbekümmert um mich, nach ihrer Liebe. O ſie muß dich wie der lieben! Ich kenne ſie. Uebrigens biſt du mein Freund. Ich weiß alſo, daß du meine Ehre nicht verlezen wirſt. Gewinnſt du Klementinens Liebe, ſo trenn' ich mich von ihr, und ſir wird die Deine. Ich werde euern Bund ſegnen. Er lächelte bitter.

Das könnteſt du? f

Ja. Die Sache wird mich etwas zerſtreuen, aufregen das iſt mir lieb. Komm jezt, ich will dich meiner Frau vorſtellen.

Eugen ſtand wie betäubt.

Liebſt du deine Frau nicht?

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Und dennoch willſt du

Ja. Komm 1%

Sie gingen.

5.5

Mit großen Schritten ging Felix in ſeinem Zimmer auf und ab; da klopfte es an die Thür, Fanny trat herein. Er bemerkte ſie erſt, als ſie vor ihm ſtand, und ſchaute ſie verwirrt, wie aus einem Traum auffahrend, an.

Kaum erkenne ich Sie wieder, ſagte ſie, den Kopf ſchüttelnd.Wie haben Sie ſich in den wenigen Monaten verändert. Den kaltruhigen, gleich giltigen, phlegmatiſchen Menſchen ſcheint eine innere Unruhe zu geißeln und raſtlos umherzutreiben. Sie ſehen bleich, erregt, angegriffen aus; aber der Ausdruk langwelligen Ueberdruſſes iſt von ihren Zügen gewichen. Ich weiß noch den Tag, wo bieſe ſeltſame Umwandlung mit Ihnen begann.

Ich auch. Es war der Tog, wo Eugen dies Haus betrat.

Sie ſagte, ihn ſcharf anblikend:So iſt es. Und dieſe gänzliche Um⸗ wandlung iſt ſein Werk. Das ſollte mich wundern.

Warum? Kann mich die Nähe des theuern Jugendfreundes theil nahmlos laſſen? Mein Herz war nie den ſchönen Gefühlen der Freundſchaft verſchloſſen. 1

Sie wollen mir ausweichen, ſo muß ich ſprechen. Ihr Glük, das Glüe meiner Schweſter ſteht auf dem Spiel, ich darf nicht länger ſchweigen. Felix,