Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
709
 
Einzelbild herunterladen

7009

muß, weil wir ſie noch immer ſuchen,

denn weder Olle. Denker noch Olle. Müller ſind im Trauerſpiele zu placiren. Eine ſich titulirende Hof ſchauſpielerin von Oldenburg, Namens Schwerdt, begann am 7. Oktober Abends 7 Uhr ihr Gaſtſpiel imRäth⸗ ſel undJuriſten und der Bauer und endigte daſſelbe um 9 Uhr ſelbigen Tages. Es iſt weit mit der Einſicht eines Theaterdirektors gekommen, wenn ſolche Subjekte dem Publikum vorge ſübhrt werden. Olle. Schwerdt iſt bäbſch und das iſt das Schönſte, was wir über ſie mittbeilen konnen.

Prag.(27. Oktober.) Unſer Theater hat jezt einen Gaſt gene ris feminini, der in Peſtb der Direktion mebr Geld bringen, beim Publikum mehr Senſation machen würde und den Dichterlingen, die ſo gern jede Tbea⸗ tralia anſonetten und anklimpern, die Hände voll zu thun gäbe, um Füſſe zu ihren holprigen Verſeleien zu ma chen. Es iſt Fräulein v. Hagn, die die Donna Diana, Julie imRomeo und Julie, des Goldſchmidts Töchter; lein u. ſ. w. mit Beifall, wenn auch nicht immer bei gut beſeztem Hauſe ſpielte und beute zum lezten Mal in dem zum erſten Mal gegebenen Schauſp. von C. Blum:der Hirſch auftritt. Dieſe Novität iſt eine ſenti mentale Verliniade, mit gewöhnlichen Theaterfloskeln verſehen und ward trefflich geſpielt. Sonſt ſind die Herren Volavsky, Bayer und Feiſt⸗ mantel die Rudera jener alten gu- ten Zeit, in welcher das Prager Thea⸗ ter eines der beſten in Deutſchland und ein Mann wie Liebich Direktor war. Hr. Dietz, der mit dem Hofſchauſpie⸗ ler Löwe eine auffallende Aehnlichkeit bat und dieſem Mimen auch nachzuſtreben ſich müht, beſizt ein erfreuliches Ta⸗

lent, das in Zukunft bedeutend wer⸗

den kann. Nur iſt ſein Spiel etwas nüchtern. Hr. Dietz gab den Don Cäſar und Romeo durchdacht. Uebrigens bat die Oper wie überall ſo auch in dem muſikaliſchen Prag mehr Anhänger als das rezitirende Schauſpiel. Olle. Lutz er und Hr. Pöck ſind die Lieb⸗ linge des Publikums und nebſt Hru Demmer, einem wakern Tenoriſten, die Grundpfeiler der Oper. Olle. L u- tzer wird aber beinahe überſchäzt, woran vielleicht auch der Civismus ſei⸗ nen Theil haben mag. Nächſtens ſol len die Leſer des Spiegels ein Mebre⸗ res erfahren von Adolf.

Literatur.

Wien(Anatomiſches Li⸗ teratur-Kabinet.) Sich mitzu⸗ tbeilen, ſagt Goethe, iſt Natur; Mit getbeiltes aufzunebmen, wie es gege ben wird, iſt Bildung. Die Natur, ſich mitzutheilen, iſt bei uns nicht zur zweiten Natur geworden, ſondern zur erſten; denn erſt befriedigt man die Natur, ſich mitzutheilen, dann be⸗ friedigt man die eigentliche Natur vom Honorar. Meine Natur, Hr. Redakteur, hängt von Ihrer Natur ab, denn meine Natur wird von Ihrer Natur mitgetheilt, und ſo be friedigen wir natürlich, naturgemäß, unſere Naturen. Aus dem Konflikte alſo, meiner Natur, ſich mitzutheilen, mit Ihrer Natur, mein Mitgetheiltes mitzutheilen, entſteht eine Un natur, nämlich meine Korreſpondenz. Da ich alſo ſchon dieſe Unnatur in mir habe, ſo will ich die meiſten Geburten, und Mißgeburten, oder Unnaturen mittheilen, die der ſtets ſchwangere Mutterleib der Literatur in neueſter Zeit an das Licht der Welt, oder deut⸗ licher, der Leſewelt, ſezte. Ich will daher das krltiſche Skarpell an dieſe