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von Paris““, war von brillantem Er— folge. Beſonders enthuſiasmirte die Künſtlerin durch den hinreißenden Vor⸗ trag mehrerer eingelegter Nummern.— Im Theater in der Joſepbſtadt ſah ich eine ſpätere Vorſtellung des Luſtſpiels: „Erziehung macht den Menſchen“ von Ayrenhof und fand da einen alten ver—⸗ ſchimmelten Bekannten in einem neuen Fitelgewand. Mad. Pann, Herr und Frau von Holtei, dann die Herren Kindler und Wagner thaten ihr Möglichſtes, aber dem Stük einen Geiſt einzuhauen iſt leider nicht mög— lich. Herr Rott, dieſer köſtliche Jokusprieſter, machte aus ſeinem Mi— niaturröllchen ein anziehendes Fresko⸗ bild.— In der Leopoldſtadt gab man zu Hrn. Langs Abſchiedsbeneſize ein von ihm ſelbſt verfertigtes Spektakel⸗ ſtük in 5 Abtheilungen:„Der Sala— mander“, nach Eugene Sue's bekann—⸗ tem Roman bearbeitet. Hr. Lang iſt am beutigen Tage von dieſer Bühne abgetreten, um einem Rufe nach Oll— mütz zu folgen, von wo er nach Peſth in Engagement treten wird. Seine Vielſeitigkeit als Schauſpieler und ſei— ne Theater⸗Noutine laſſen hoffen, daß er in kurzer Zeit ein gern geſehenes Individuum des Peſther Theaters ſein wird.— Im Theater an der Wien er—⸗ öffnete Hr. Kunſt abermal einen Gaſt— rollen-Cyklus als Beliſar in E. v. Schenks gleichnamiger Tragödie. Zu- gleich mit ihm traten Hr. und Mad. Kalis, als Alamir und Antonina auf. So tief ſeit einiger Zeit dieſe Bühne geſunken, ſo ſehr ſcheint die Direktion jezt wieder für ihr Steigen beſorgt zu ſein. An dem Kalis'ſchen Ehepaar ward jedenfalls eine treffliche Acquiſi⸗ tion gemacht, und wer die Vorſtellung des Beliſar geſehen, muß einem In⸗ ſtitute Glük wünſchen, zu den ſchönen Kräften, die es bereits beſizt, zwei neue Glieder gewonnen zu haben. Die gan—
ze Produktion ward durchaus mit rau⸗ ſchendem Vei falle aufgenommen. Adiaphoros. Paris(18. Oktober.) Die ge⸗ ſtrige erſte Aufführung von Delavigne's „Don Juan von Oeſterreich“ im Thea— tre frangais war einer dramatiſchen Feierlichkeit gleich zu achten; die ganze vornehme und ſchöne Welt hatte ſich dazu eingefunden; der Name des Ver— faſſers, und der dem Stüke vorange— gangene Ruf machten die geſpannteſte Erwartung rege. Der Held des Stüks iſt jener Don Juan von Oeſterreich, der natürliche Sohn Katſer Karls V., der nie den Namen ſeiner Mutter er— fuhr, der die große Seeſchlacht bei Tu— nis gewann, die Chriſtenheit rettete, dann nach Paris kam und ſich in die Königin von Navarra verliebte. Das Stük beginnt in dem Schloſſe Villa⸗ garcia bei Don Luis Queſada, einem alten Rathgeber Karls V. Den tief⸗ ſten und allgemeinſten Eindruk machte die wahrhaft bewundernswerthe Szene, wo der ehemalige Kaiſer, der Beherr— ſcher einer halben Welt, bei den Mön— chen um die Wahl zum Abte des Klo⸗ ſters buhlt, um die Flucht ſeines un glüklichen Sohnes(der ihn längſt todt glaubte) zu begünſtigen. Es gelingt; Don Juan eilt zu ſeiner Geliebten, findet dort den König unter dem Na⸗ men eines Grafen v. Villaflor, fordert ihn zum Duell, verwirkt dadurch Le— ben und Freiheit, und wird endlich durch ſeinen Vater gerettet, der aus ſeinem Kloſter hervortritt, die wahre Herkunft ſeines Sohnes verkündet, und beide Brüder mit einander verſöhnt. Das Stük(das erſte, welches Dela⸗ vigne in Proſa gibt) iſt trefflich ge⸗ ſchrieben, voll Geiſt und Leben, nur leidet es an einigen Längen, die je⸗ doch bei den nächſten Vorſtellungen ver⸗ ſchwinden werden. Die Aufführung war ausgezeichnet, und dauerte 5 Stun—


