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„Den Kaſten, der den Schaz enthält, nicht wahr?“
„Ja, und ich ſehe es auch um deinetwillen gern an. Du ſiehſt dort die drei Fenſter mit den blauen ſeidenen Gardinen. Ach, welch herrliches kleines Ge— mach! Nun, dieſes Zimmer ſoll aus ſchließlich dein ſein, wenn ich erſt der Herr des Hauſes bin. Welches Zimmer! Ein ausgeſuchtes Meublement! Und welche Ausſicht nach dem Park! Aber komm, wir ſprechen davon bei Tiſche.“
(Fortſezung folgt.)
Cromwell's Zimmer in Hampton Court.
Man erzählt hierüber eine ziemlich unbekannte Anekdote. Der König
Karl J. ſtand eines Tags an einem der Fenſter des Palaſtes, umgeben von ſei⸗ nen Kindern, als eine Zigeunerin oder Bettlerin herankam und um ein Al- moſen bat. Ihr Ausſehen erregte das Lachen der königl. Familie, vielleicht auch Drohungen, wodurch die Zigeunerin ſo aufgebracht wurde, daß ſie aus ihrem Korbe einen Spiegel nahm und ihn dem Könige vorhielt, der ſich darin enthauptet ſah. Man gab der Bettlerin nun Geld, und ſie ſagte darauf, daß der Tod eines Hundes in dem Zimmer, worin ſich der König eben befinde, der Wiedergelangung ſeiner Familie auf den Thron des Reichs vorangehenf werde, den der König bald verlieren ſolle. Oliver Cromwell ſchlief ſpäter, vielleicht der Sicherheit wegen, in demſelben Zimmer und hatte ſtets einen Lieblings- hund bei ſich, der in dem Zimmer an der Thüre lag. Als er eines Morgens erwachte, ſah er den Hund todt daliegen; er dachte ſogleich an die Zigeunerin und ſagte:„Das Reich iſt mir genommen!“ Cromwell ſtarb bald darauf, und die nachfolgenden Ereigniſſe ſind bekannt.
Franzoſen und Spanier.
Der Franzoſe trägt das Haar ziemlich lang, der Spanier ganz kurz; der Franzoſe ißt viel und geſchwind, der Spanier langſam und ſehr wenig; der Franzoſe läßt zuerſt das gekochte Fleiſch auftragen, der Spanier zuerſt den Braten; der Franzoſe trinkt gewöhnlich Waſſer nach dem Weine, der Spanier Wein nach dem Waſſer; der Franzoſe ſpricht viel bei Tiſche, der Spanier ſagt kein Wort; der Franzoſe geht nach der Mahlzeit herum, der Spanier ſezt ſich oder ſchläft; der Franzoſe geht geſchwind, der Spanier ſchreitet geſezt einher; der Bediente des Franzoſen folgt ſeinem Herrn, der Spanier läßt ihn voraus gehen; will der Franzoſe Jemand zu ſich winken, ſo erhebt er die Hand und bewegt ſie nach dem Geſichte zu, der Spanier dagegen erhebt ſie und bewegt ſie nach ſeinen Füßen hin; der Franzoſe geht zulezt in das Haus und aus demſelben, der Spanier geht immer voran; der Franzoſe bittet mit Demuth um ein Almoſen, der Spanier fordert es mit einer Art Würde und Arroganz; verarmt der Fran⸗ zoſe, ſo verkauft er Alles bis auf's Hemde, das Hemde iſt dagegen das Erſte, das der Spanier verkauft, der den Degen und Mantel bis zulezt behält.
Unſichbarer Mouſſelin.
Ein Miſſionair zu Serampur, William Ward, erzählt, in Schantipurn und Dhaka würde Mouſſelin gemacht, von dem man das Stük zu 100 Rupien


