Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
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einen ließen ihn in Irland, andere in Italien, wieder andere in Nova Zem bla, in Korſika, im amerikaniſchen Staate Maſſachuſets, und einige end⸗ lich auf der Inſel Jerſey das Licht der

Welt erbliken. Für uns Europäer un-

terliegt es wohl keinem Zweifel, daß der große Violinkünſtler ein geborner Genueſe iſt. D. London. In St. Albans(Eng⸗ land) lief dieſer Tage Alles neugierig zuſammen, als ein Pächter auf einem mit vier großen Schweinen beſpannten Wagen in die Stadt einfuhr. Die Fahrt ging trefflich, obgleich er ſeineſchwei niſchen Roſſe erſt 6 Monate geſchult hatte. 28

Der Modenkurier. 8

(Paris, 20. Sept. 1855.)

Nichts Neues unterm Sonnenlicht;

Doch neu heißt, was die Mode ſpricht 16

1.Wir haben jezt hier ſehr übles Wetter, ſchreibt eine Dame aus Paris, kalt, regneriſch und was noch mehr der gleichen. Es iſt der anticipirte Winter, der uns unſere lezten Tage auf dem Lande ver leidet, und blos das Vergnügen, Ihnen Nachrichten mitzutheilen, konnte mich bewe gen auszugehen. Mein Kammermädchen hat⸗ te mich ſchon wiederholt an meine Winteran züge erinnert; aber ich konnte mich noch im⸗ mer nicht dazu entſchließen, meine artigen Mouſſeline, meine ſo leichten und lachenden Moden abzulegen und mein Augenmerk auf jenes Dunkle und Düſtere zu richten, mit welchen man ſich vorſehen muß, wenn der Barometer auf aroßen Regen zeigt. unter mehreren Damen, die mich heute be ſuchten, hatten zwei ganz neue, der Jahres zeit angemeſſene Toiletten.

2.Die Eine trug ein Kleid von bro ſchirtem kornblumenblauem Gros de Naples, nach Ueberrok⸗Art gemacht. Der Rok war vorne mit einer vier Finger hohen Garni rung von ſchwarzen Spizen geſchloſſen. Der

flache Leib hatte keine Binde, dle glelche, vor; ne ſehr ausgeſchnittene Pelerine war mit ei⸗ ner ähnlichen Spize garnirt. Der Hut von ſtrohfarbigem Pou de Soie war mit ſtrohfar bigen Foulardbändern, die mit kleinen Schach viereten gerändert ſind, garnirt.

Die zweite Dame trug ein biſchof violettes, ſchwarzbrochirtes Kleid von Pou de Soie, das am Untertheil des Rokes und um die Pelerine ſchwarze Schnürchen hatte. Eine ſchwarze Cachemirſchärpe mit kleinen Palmen. a

4.Es ſcheint, daß die Mode, Sam⸗ met um den Hals und auf dem Kopfe zu tragen, dieſen Winter ſtark aufkommen wird; bereits ſieht man ſehr häuſig bei den Juwe lirs Sammetbönder, mit ſchönen Flakons, Lorgnetten, oder eleganten goldenen Kreuzen, u la anlique oder mit Edelſteinen inkruſtirt, gearbeitet. Man ſchließt ſie mit ſehr ſchönen Schließen, und aus dieſem ſo einfachen Ge⸗ ſchmeide, das den Hals eines Landmädchens ziert, macht die Pariſerin ſolch einen Gegen ſtand desLuxus und der Wahl. l

5. Bereits ſind einige Mäntel auf empfindlichen Schultern, ueberröke, Vorläu⸗ fer der Wikler, große Shawls, die dem Pelz werke vorausgehen, erſchienen, was uns Al les ankündigt, daß die Zeit da iſt, um die Stoffe der neuen Saiſon herzurechnen. Wir wollen uns vor der Hand nur beſchränken anzu⸗ zeigen, daß die Seidenzeuge großtentheils bro- chirt oder mit verſchiedenen Nuancen tra- cirt ſein werden, daß ſich beſonders Schwarz mit Grün, Weiß, Roth mischen wird. Die Wollgewebe erhalten ſich immer in dem Ca chemir-oder Merinos-Styl, mehr oder min⸗ der untermiſcht in ihrem Luxus oder in ihrer Einfachheit.

6. Man ſieht viele gezogene Atlas⸗ Kapoten, garnirt mit gleichen Bandruchen. Dieſe Ruchen ſagen gleichſam dem Sommer Lebewohl, denn die Schleier ſind verbannt. Nach Allem zu ſchließen, kann man voraus-. ſagen, daß das Bunte dieſen Winter eine große Rolle ſpielen wird.

Modenbil d. Nr. 42. Pariſer Anzüge vom 20. Sept. Blondebonnets. ueberröte von Poult de Soie. Gothiſche Möblirung.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.