Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
607
 
Einzelbild herunterladen

607

net, darin zwar manche ſchäzbare Artikel vorkommen, aber ſeit einiger Zeit ſich auch Korreſpondenznachrichten aus Wien befinden, die, vom Lügengei⸗ ſte diktirt, den Stempel tiefer Gemein heit an und in ſich tragen; da wird das Ehrwürdigſte frech und albern ver höhnt, die ſchmuzigſten Lerchenfelder Anekdötchen werden da debitirt, acht bare Autoritäten, Inſtitute, Litera toren erſten Ranges geſchmäht, harm loſe jugendliche Schriftſteller pöbel haft heruntergeriſſen, Hunde und literari ſche Vagabonde titulirt(eine, eines ſolchen Korreſpondenten würdigere Be zeichnung) kurz ein Sansculottismus ge⸗ trieben, wie er in der Literatur nie und nirgends heimiſch ſein ſollte. Frei lich brauchen ſolche Angriffe keine Wi⸗ derlegung, denn die Bosheit iſt zu ſicht⸗ lich, auch kann ein ſolches Gebell nicht ſchaden, da es nur Ekel und Verach⸗ tung gegen den Schreiber erregt, aber traurig bleibt es doch immer, daß ein Berichterſtatter ſich ſo erniedrigen, und ein Blatt im ehrlichen Deutſch⸗ land ſeine Spalten ſo befleken kann. Die Motive die einen ſolchen Quidam zu ſolch frechen Aeußerungen veranlaſ ſen, ſind natürlich gemeiner Hunger, noch gemeinerer Neid und eine gar un⸗ geweine Aufgeblaſenheit, eine Ueber ſchäzung ſeines eigenen werth-und ge⸗ haltloſen Ichs, ein heimliches Knir ſchen über eigene Unbedeutendheit, und anderer Höhe, und ein Raſen, daß es allgemein bekannt iſt, zu welchem Werkzeuge er diene. Die Farbe dieſes Planeten-Korreſpondenten ſoll übrigens nicht feurig roth, nicht fröhlich grün, auch nicht ſchuldlos weiß, oder me lancholiſch ſchwarz, ſondern ſchmuzig braun ſein; vergebens hat er ſchon mehrmals verſucht den Parnaß zu er⸗ klimmen, doch erreichte er nicht des Berges Höhe; das Inſekt kriecht im Thal. Sapienti pauca.

Miszellen.

Stuttgart. Der Verein für das Denkmal Schillers hat aus Rom die frohe Nachricht erhalten, daß Herr von Thorwaldſen die Skizze zur Sta tue Schillers halb Mannsgröße nicht allein vollendet hat, ſondern daß auch bereits der Künſtler Matthiä, dem er die Aus führung des koloſſalen Models zum Guße aufgetragen hat, mit dem- ſelben bedeutend vorgerükt iſt, ſo daß in wenigen Monaten die Statue zum Guſſe fertig daſtehen wird. In Rom iſt Alles auf dieſe Erſcheinung geſpannt; der Eindruk, den die ſehr ausgeführte Skizze macht, ſoll groß ſein. Die Fi⸗ gur iſt äußerſt impoſant und ernſthaft auftretend, aber ſo ruhig dabei, daß man den gewöhnlichen aufpuzenden Prunk bei koloſſalen Figuren gar gerne dabei weggelaſſen ſieht. Schiller ſteht ſich ſelbſt vergeſſend da, man ſieht der ganzen Figur an, daß irgend ein ſchö⸗ ner Gedanke ihn beſchäftigt, er iſt fortſchreitend, in der linken Hand eine olle und mit der Rechten den Man⸗ tel auffaſſend, damit er nicht herunter falle. In der kleinen Skizze iſt ſchon Schillers Portrait ſichtbar, und der Dichter muß wirklich ſo ausgeſehen haben, als er ſeine Meiſterwerke er⸗ ſchuf..

München. Es gibt jezt in Mün⸗ chen ſo viele Fremde, daß nicht nur alle Gaſthöfe überfüllt ſind, ſondern auch Privatwohnungen von denſelben gemiethet werden, wie wird es nun erſt bei dem Oktoberfeſt ausſehen? A.

München. Vergangenen Dien ſtag und Mittwoch hat es nach der Aus⸗ ſage von Tegernſee gekommener Rei⸗ ſenden tüchtig geſchneit. A.

S. Petersburg. Unter den architektoniſchen Merkwürdigkeiten St. Petersburgs nimmt jezt die St. Drei⸗