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Die Sänger ehemals(und jezt).
Ein Sänger, der zwar ſehr geſchikt in ſeiner Kunſt, zugleich aber auch für ſich ſehr eingenommen war, wurde Friedrich II. vorgeſtellt. Der König bemerkte, daß der Künſtler höchſt elende Strümpfe anhabe, und fragte ihn daher:„Iſt er der Muſikus, den man mir ſo gelobt hat?“—„Ich weiß nicht, Euer Majeſtät,“ antwortete dieſer.—„So viel aber kann ich mich rühmen, daß ich eine Stimme habe, woraus ich machen kann, was ich will.“— „Wenn das iſt,“ antwortete der König,„ſo mache er ſich doch ein Paar Strümpfe daraus, denn die hat er ſehr nöthig!“——(Ei du lieber Him⸗ mel, wir haben jezt Sänger, die mitunter eine ganz miſerable Stimme haben, und doch Strümpfe daraus machen 1)
Vlelleicht. 0 Liebesſeufzer an Laura (Impromptu.)
Ein gar zartes Saitenſpiel Iſt das Erdenleben, Und der Klänge gibts nicht viel, Die die Luſt uns geben. Doch die Liebe zarter Frauen, Die dem Erdenengel gleicht, Macht uns froh die Zukunft ſchauen, Macht uns hoffen auf: Vielleicht!
Darum, Laura, ſeb' ich d i ch, Seh' ich dir ins Auge: Fliehet jedes Wehe mich, Luſt ich dann nur ſauge. Glüklich der, dem deine Liebe Alle Schmerzen ſchnell verſcheucht; O, daß Hoffnung mir noch bliebe, Und ich hoffen dürft': Viel leicht! Wilhelm.
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Teitung der Novitäten und Anfichten.
Literatur.
Wien.(Literariſche Luft⸗ ſprünge von Pollicinello.) Von dieſen Luftſprüngen will ich auf Leute fallen, die durch ihre Handlun⸗ gen, Geſchreibſel u. ſ. w. jeden recht⸗ lich Denkenden empören, und zur Schmach der Literatur ihre bleiernen Gedanken, Ein⸗, Aus⸗ und Vorfälle, dem Druke übergeben. Diesmal muß ich als Korreſpondent leider gegen mein eigenes Fleiſch und Blut wüthen, näm⸗ lich dieſe Zeilen gegen einen Korre— ſpondenten richten.— Der Korreſpon⸗
dent einer literariſchen Zeitung ſoll referiren, was im Gebiete der Kunſt, des Wiſſens und des geſelligen Lebens ſich Neues begeben, er ſoll Schönheit lieben, Wahrheit achten, das Beſte preiſen, Verfehltes tadeln, und haupt— ſächlich zur Verbreitung des Guten nach Kräften mitwirken, aber blos be— geifern, verleumden, aus Neid und Galle achtbare Autoritäten beſudeln, Himmelelement! Das darf kein Kor— reſpondent, ſonſt ſinkt er zum niedrig⸗ ſten Pasquillanten herab! Ad rem! Da erſcheint in Leipzig, im Verlag und unter der Redaktion eines Buch— händlers ein Blatt:„Unſer Pla⸗


