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Juß getroffen, die eine ſtarke Kontuſion verurſachte.„Das muß eln Tyroler geweſen ſein,“ ſagte der Kaiſer ganz gleichgültig, denn ein anderer Schüze würde aus ſolcher Entfernung nicht auf mich gezielt haben; dieſe Vurſchen ſchießen mit wundervoller Genauigkeit.“— Als ſeine Adjutanten ihm die Ge— fahr vorſtellten, der er ſich ausſezte, antwortete er:„Was kann ich anders thun; ich muß doch ſelbſt zuſehen, wie die Sachen ſtehen?“ Nach einem klei— nen Verband ſezte er ſich ſogleich zu Pferde, um ſich ſeinen Soldaten zu zei⸗ gen und ſie zum kühnſten Angriffe, der auch den glänzendſten Erfolg hatte,
zu ermuntern.
Teitung der Novitäten und Anfichten.
Theater.
Peſth. Am 16. d. M. betrat Hr. Kunſt, als Hamlet zum Erſten⸗ mal unſere Bühne. Dieſer Schauſpie⸗ ler hat ſeit ſeiner lezten Anweſenheit in Peſth auf ſeiner künſtleriſchen Lauf⸗ bahn enorme Fortſchritte gemacht; war er ſchon damals eine ungewöhnliche Er⸗ ſcheinung, ſo iſt er jezt dem Ziele der Vollendung ganz nahe. Ausgeſtattet von der Natur mit Allem, was einem Schauspieler wohl zu Statten kom⸗ men kann, als da ſind, eine impoſante Geſtalt, einnehmende Züge, ein ganz fehlerfreies Organ de., vereinigt Hr. Kunſt damit eine Darſtellungsgabe, die von ſeinem beſondern Talente und ſeiner hohen artiſtiſchen Bildung das glänzendſte Zeugniß gibt. Hamlet, dieſe erſte aller Rollen, dieſes Meiſterſtük des Meiſters aller dramatiſchen Dichter, nimmt unter Kunſts trefflicher Vehand— lung das Intereſſe des gebildeten Publi— kums in hohem Grade in Anſpruch. Der Künſtler drang hier in den Geiſt ſei⸗ ner Aufgabe ſo gründlich, ſo vollkom⸗ men, daß er eben ſo erhob als rührte, eben ſo erheiterte als erſtarkte; keine Nuance, nicht die kleinſte Schattirung fehlte dieſer Leiſtung. Dieſe Fülle der köſtlichſten Lebens philoſophie, von der
Hamlets Suade überfließt, und die, ob zwar vor dreihundert Jahren ge⸗ ſchaffen, noch ſo ſchön für unſer auf— geklärtes Zeitalter geeignet iſt, trug Hr. Ku nſt mit ſolcher gediegener De klamation, mit ſolch Eindringlichkeit, Gemüth und Begeiſterung vor, daß uns nichts von der großartigen Schö— pfung verdarb oder verloren ging. Der dritte und vierte Akt bezeigten beſon— ders die Wahrheit des Geſagten. Die Szenen mit. Güldenſtern, mit Ophe⸗ lia, mit der Mutter, als der König betete, und vor Allem jene mit den Schauſpielern und während des Zwi⸗ ſchenſpiels ſind Meiſtergebilde, die dem Künſtler das Ehrendiplom ſichern. Daß auch das Peſther Publikum, ſo wie über— all, ganz ergriffen von dieſer vortreff⸗ lichen Darſtellung war, läßt ſich erach— ten, da man weiß, daß es kunſtber⸗ ſtändig iſt. Es genüge nur noch zu ſa⸗ gen, daß Hr. Kunſt etwa zehn Mal gerufen wurde.— Die zweite Nolle des Hern Kunſt war Hugo, in der „Schuld“, den er am 17. gab, und worin ſein ſehr talentvoller, in die Fußtapfen des Vaters tretender Sohn den Otto gab. Darüber nächſtens mehr. — Mad. Schröder-Devrient hat am 14. d. M. mit der Wiederho— lung der„Nachtwandlerin“ ihren er— ſten Gaſtrollen Cyklus, in acht Rol⸗


