Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
596
 
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vorn über, langte nach der Handſchelle und begann ſo lange, ſo laut und mit allen Kräften zu läuten, als habe er einen Brand mit der größten Kirchen⸗ gloke zu verkünden; dabei ſchrie er die Namen aller Diener aus, welche je in ſeinem Hauſe gedient hatten.

Bei dem erſten Anſchlagen der Klingel erhob ſich Simon aus dem Seſſel und ſagte:Ach ja, ich bin nun euer Gefangener.

Ja, Sir, ja! ſagte der Sindikus darauf.Geoffrey Williams! ganz gewiß, Sir mit eurem Verlaub, Sir Godwin! Ralph! der da iſt euer Gefangener! fuhr er den einzigen Diener an, der auf dies tumultuariſche Aufgebot verwundert in das Zimmer trat. f

Die Endfolge der Geſchichte iſt bald erzählt. Für Edwards ward ein Aufſchub nach Newgate geſandt, dem bald die volle Begnadigung folgte; denn da er ſchuldig erfunden war, konnte man ihn nicht wieder als unſchuldig los⸗ ſprechen. Das elende Weib des Kaufmanns ſtarb an demſelben Morgen, wo ſie die Freilaſſungſ ihres Mannes erfuhr, durch ihre eigne Hand. Simon wurde als Lambert's Mörder ins Verhör genommen, ſchuldig befunden und zum Tode verurtheilt; doch in Betracht der außerordentlichen Umſtände, welche ihm zu Statten kamen, wurde ſeine Strafe in lebenslängliche Deportation verwan delt. Der Lord⸗Oberrichter fällte bei dieſer Gelegenheit eine ſehr voluminöſe Sentenz, deren Hauptgründe darauf hinausliefen, daß Simon, da er von ſeinem Prinzipal noch nicht geſezlich losgeſprochen geweſen, auch noch als in deſſen Dienſten ſich befindend betrachtet werden müſſe; in dem Falle könne er aber wegen der Vertheidigung des Lebens ſeines Herrn, bis zu einem gewiſſen Punkte, gerechtfertigt werden.

Simon ſtarb auf der Ueberfahrt. Edwards verfiel nach ſeiner Loslaſſung in Blödſinn und lebte noch einige Jahre. Kurz vor dem Tode des alten Man nes machte man die Entdekung, daß Simon ein natürlicher Sohn deſſelben geweſen war und daß er durch die Verhütung des an dem Kaufmanne beabſich tigten Mordes das Leben ſeines eigenen Vaters gerettet hatte.

Die Taucher von Navarin.

Man hat verſchiedene Behauptungen darüber aufgeſtellt, wie lange die Perlenfiſcher und andere Taucher ſich unter dem Waſſer in beträchtlichen Tie fen, ohne zu athmen, erhalten können; Einige verſicherten, daß man eine halbe Stunde, Andere, daß man noch längere Zeit im Stande wäre, das Ex periment auszuhalten. Allein Dr. Lefebvre aus Rochefort, der vor einiger Zeit zu Navarin ſtationirt war, hatte hinreichende Gelegenheit, um die Kräfte der beſten Taucher mit eigenen Augen zu prüfen. Er beobachtete diejenigen, die dazu benuzt wurden, die Ueberreſte der in dem Hafen von Navarin unter⸗ gegangenen türkiſchen Flotte aufzufiſchen. Die Tiefe, in die ſie ſich hinablaf⸗ ſen mußten, betrug 109 Fuß; allein ſo berühmt auch die griechiſchen Taucher wegen ihrer beſondern Vorzüge ſind, ſo konnte es doch keiner von ihnen zwei Minuten hinter einander unter dem Waſſer aushalten. Im Durchſchnitt blie⸗ ben ſie nicht länger als ſechsundſiebzig Sekunden in der Tiefe, und wenn ſie dann herauskamen, ſchoß ihnen oft noch das Blut zu dem Munde, zu den Au⸗