Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
583
 
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England geſandt hat, um daſelbſt die Fabriken und Gewerbe kennen zu ler⸗ nen, verliebte ſich kürzlich in eine ſehr ſchöne Engländerin mit ſolcher Heftig keit, daß er, als ſeine Obern ihm die Erlaubniß zur Heirath verweigerten, ſeinem Leben durch eine ſtarke Gabe Arſenik ein Ende machte. M. Homburg. Die Entdekung ei⸗ ner, die größte Grauſamkeit und Var barei beurkundenden Handlung, welche dieſer Tage zu Hermersberg in Kanton Waldfiſchbach, des königl. baier. Rhein⸗ kreiſes erfolgte, bildet das Tagsge ſpräch. Ph. Adam Kettenring von Her mersberg und ſeine Ehegattin, Akers leute, faßten, um die Verbindung ih⸗ rer Tochter mit ihrem Knechte zu ver hindern, den Entſchluß, das Mädchen, welches bereits 51 Jahre zählte, zu beſeitigen. Sie gaben zu dem Ende dieſelbe für wahnſinnig aus und ſperr⸗ ten ſie ein. Ein Zufall entdekte den Ort, wo ſie verwahrt wurde und es ergab ſich, daß dies ein eignes hiezu erbautes Behältniß in Form eines Hundeſtalles, mit einem Schieber verſe hen, war, in welchem dunklen Loche dieſelbe während 8 Jahren gefangen gehalten wurde, indeß die ihr gereichte Nahrung nur aus Waſſer und Kartof⸗ feln beſtand. Stroh, welches nur ſpär⸗ lich gemiſtet wurde, diente ihr zum Lager, und als ſie durch das Gericht befreit wurde, waren einige Lappen eines faſt ganz verfaulten Hemdes ihre einzige Kleidung. Ihren Körper ſelbſt hatte eine Kruſte überzogen, die ſich vielfältigen Badens ohnerachtet noch nicht ganz ablöſte, ſo daß jezt eigent⸗ lich noch keine Spur einer menſchlichen Haut ſichtbar iſt. Die Menge Unrath, welcher mit verfaultem Repsſtroh ſich gemengt und ſeit Jahren aufgehäuft hatte, verbreitete einen ſolchen peſti lentialiſchen Geruch, daß man ſich An fangs weder ihr, noch dem Orte ihrer

Aufbewahrung nähern konnte. Das Mädchen ſelbſt, wenn gleich verwachſen, erklärte der Arzt für phyſiſch geſund; an ſie gerichtete Fragen bewieſen, daß ihr Gedächtnißvermögen verſchwunden war. Die unmenſchlichen Eltern, die ſogleich verhaftet wurden, ſehen, ob ſchon hoch bei Jahren, zu Zweibrüken ihrem Urtheile entgegen, indeß das unglükliche Mädchen einer achtbaren Familie zu Waldfiſchbach zur Pflege und Wartung übergeben wurde. A. Dieppe. Hier ereignete ſich vor einem Monate das Unglük, daß ein Maurer vom Dache eines Hauſes, das eben gebaut wurde, herabſtürzte und ſeinen 12jährigen Sohn, welcher mit Ziegelordnen beſchäftigt war, im Nie derſturze traf und todtſchlug. Als das Weib des Maurers, welche Ziegel zu reichte, vom Dache die Szene ſah, wurde ſie vom Schwindel ergriffen und ebenfalls in die Tiefe hinabgeſchleu dert, und fand, ſchreklich zerſchmettert, ihren Tod. Während ſich dieſes ereig⸗ nete, ſpielten die vier kleineren Kin der des Mannes zu Hauſe, ſich ganz allein überlaſſen. Das älteſte machte ein Feuer an mitten im Zimmer, und die Kinder beluſtigten ſich damit, über die Flamme zu ſpringen. Das Feuer griff immer weiter um ſich, und die Hize und der Rauch wurden ſo groß, daß die Kinder ſich durch die Flucht zu retten ſuchten. Aber nur dem äl teſten gelang es, ſich zu retten; die übrigen Kinder vom Rauche betäubt, wurden ein Raub des Todes. In kurzer Zeit brannte das ganze Haus in lichten Flammen auf, und die Maurerfamilie ging, mit Ausnahme des Knaben, an einem Tage gänzlich zu Grunde. W. Liverpool. In New⸗York wur- de kürzlich eine Dame zu 1000 Dollars Entſchädigung verurtheilt, weil ſie ein Heirathsverſprechen gebrochen hatte. In Liverpool dagegen lautete das Ur