Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
574
 
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bens bat ſie um Speiſe, vergebens flehte ſie in ihren entſezlichen Leiden um

Waſſer Waſſer; antwortete blos:Nein, Mutter;

der unnatürliche Sohn,

der ihr Wehklagen hören konnte,

du haſt ſchon zu lange gelebt; nun mußt

du ſterben. In der Nacht miſchte ſich lihr wehklagendes Geſchrei mit dem wil⸗ den Geheule der Hpänen, und als der Morgen kam, war ſie eine Leiche.

Die Schnürleibchen( Mieder.) Die Schnürleibchen und die Gigotärmel werden ſich nicht lange mehr

balten, ſagen die Aerzte und Modenreformatoren ſchon aber die Mode und die Damen lächeln, denn ſie kennen als daß ſie denſelben ſo leicht ent ſagten, Schnürleibchen hat, und ſeit vor wenigen

beiden Toilettenbedür fniſſe zu gut, beſonders ſeit man die elaſtiſchen

ſeit vielen Jahren, die Vortheile dieſer

Wochen Madem. Milleriot L uftgigotärmel erfunden hat. Beide Ge⸗

genſtände ſtehen übrigens in der

innigſten Wechſelwirkung; ſie halten ſeſt zu⸗

ſammen, ſtehen eins für das andere und kämpfen vereint gegen die Unbeſtän⸗

digkeit, die Launen, den mit einander auf

Bruſt einer Dame in die Breite,

die Staatſtreiche und Revolutionen der Mode, und wer die Nachwelt übergehen. und heben um ſo mehr die ſchlanke Taille

Die Gigotärmel dehnen die

hervor, während dagegen die Schnürleibchen durch die Verminderung der Taille

den Umfang der Bruſt mehr hervortreten laſſen.

Der Gigotärmel iſt ein Er

innerung an das ſiebzehnte Jahrhundert, der von den Hüften auf die Arme übergetragene Reifrok, wie denn überhaupt die Schneppenleibchen der Kleider und die Weite der leztern im vorigen Winter eine ſehr deutliche Hinneigung unſerer Zeit zu den Reifröken verrathen. Und das Schnürleib⸗ chen das iſt der Schlußſtein des Gewölbes der Toilette einer Dame, der

den ganzen Bau zuſammenhält;

das Schnürleibchen macht die Dame, wie der

Frak den Herrn macht. Schnürleibchen werden alſo lange bleiben(immer darf man im Reiche der Mode nicht ſagen), troz allen Aerzten.

Leitung der Novitäten und Anfichten.

Theater.

Wien(4. Sept.).Nach RNe⸗ gen folgt Sonnenſchein, mit andern Worten: Saphir iſt angekommen. Er wird ſeine italieniſche Reiſe in einer beſondern Broſchüre erſcheinen laſſen. Unlängſt habe ich auch eine Reiſe unternommen; ich habe nämlich mit Jün⸗ ger'sAmerikaner in die See geſto⸗ chen und auf der Reiſe mehrere Ve⸗ kannte getroffen. So 3. B. Hrn. Franz

Walter, ein geborner Jünger, und Adoptivſohn des Hrn. Bauernfeld. Hät⸗ te der arme Franz Walter in Amerika gleich ſeine amerikaniſche Gurli geheu⸗ rathet, wäre ich um einige Zwanziger reicher. Das ganze Stük, recht gut geſchrieben, iſt nur ein Szenenagregat, wo man füglich den zweiten Akt vor dem erſten u. ſ. w. ſehen könnte. Lo benswerth und in der That ausgezeich net war hingegen das Spiel. Korn, Löwe, Fichtner genügen, um meine Bemerkung zu bewahrheiten. Ein