Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
573
 
Einzelbild herunterladen

573.

ihre Meinung über die Ehe und beſonders über die Vraut auszuſprechen. Ihre Freunde bringen ſie in die Wohnung des Bräutigams, wo die Verwandten deſ⸗ ſelben verſammelt ſind, und wo das arme ſchüchterne Mädchen die unglüklichſte Muſterung ihrer Perſon anhören muß. Einer ruft:Welche Beine! Wie ſie ſich unter ihr beugen! Ein Anderer ſagt:Seht ihre Arme! der Wind wird ſie wegblaſen; ſie hängen an ihr wie Federn! Haben die Männer das Gift ihres Wizes zu ihrem eigenen großen Vergnügen erſchöpft, ſo führen ſie die Braut in den Kraal herum, wo an einer Stelle die Frauen verſammelt ſind. Hier beginnen ihre Leiden noch einmal und in weit höherm Grade; denn hier gibt es Schmähungen ſtatt der Späße, und Drohungen ſtatt der Wize. Einige ſchildern in den düſterſten Farben, was ſie als Frau zu erwarten haben werde, während Andere die Mängel ihrer Perſon lächerlich und die Uebrigen darauf aufmerkſam machen. Dieſe Bemerkungen werden mit lauter, kreiſchender Stimme vorgebracht und mit den heftigſten, drohendſten Geberden begleitet. Nimmt der Mann zwei Frauen auf einmal, ſo hat eine jede dieſe Muſterung einzeln zu beſtehen.

Frauenopfer in Oſtindien.

Die engliſchen Zeitungen haben behauptet, durch die klugen Maßregeln des Generalgouverneurs von Oſtindien, Lord Ventinck, wären die Sutties oder Menſchenopfer daſelbſt ganz ausgerottet worden; aber man ſchmeichelt ſich mit dieſer Hoffnung vergebens, denn wir leſen in dem Asiatic Journal: Wir erfahren, daß bei dem Tode des Radſcha von Suzerate die Frauen und einige Diener deſſelben auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, der die ſterblichen Ueberreſte ihres Herrn verzehrte. Die unglüklichen Opfer wurden mit Gewalt hingeſchleppt, und troz ihrem Geſchrei und ihrer Verzweiflung in die Flammen geworfen. Einige Verwandte deſſelben begaben ſich zu dem engliſchen Agenten, worauf die Truppen ſogleich zu den Waffen griffen und nach dem Orte marſchirten, wo die ſchrekliche Szene vor ſich ging; aber ſie kamen zu ſpät. Eine beträchtliche Maſſe Hindus umgab den Scheiterhau fen, und die nicht zahlreichen Engländer konnten ſie nicht anzugreifen wagen. Kein Opfer wurde gerettet, aber ſie hörten wohl das verzweifelnde Geſchrei der unglüklichen Frauen, die man eine nach der andern in die Flammen warf.

Grauſamkeit der Kaffern gegen ihre Eltern.

Ein kleiner Häuptling befahl, ſeine Mutter, eine alte kranke Frau, ſolle von einigen ſeiner Leute in den Wald geführt und dort umgebracht wer⸗ den, weil ſie eine Laſt für ſich ſelbſt und die Ihrigen geworden ſei. Man führte ſie an den beſtimmten Ort, aber die Leute vermochten ſie nicht zu töd⸗ ten, ſondern ließen ſie in dem Walde gegen das Verſprechen, in den Kraal nicht wieder zurük zu kommen. Am andern Morgen ſah indeß der Sohn die Mutter lebendig im Dorfe, erzürnte ſich heftig deshalb über ſeine Diener und nahm ſich vor, bei der Vollziehung ſeines Befehls ſelbſt gegenwärtig zu ſein. Er begleitete alſo ſeine Leute mit dem Opfer in den Wald und befahl hier, die alte Frau an einen Baum zu binden und ſo umkommen zu laſſen. Verge⸗