Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
571
 
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blies der Groll ſeinen giftigen Hauch in Ehre verkleinernden Reden von ſichz Ruohn galt bald als ein gefährlicher Hizkopf, und ſeine Thätigkeit, ſeine muſterhaften Arbeiten wurden durch das Objektivglas des Neides und der Vos heit angeſehen, daß ſie in den Augen ſeiner Mitkollegen, als unbedeutend, als nichtsſagend erſchienen. Brauſen macht Zauſen.

5 Die ſogenannten Sprudelköpfe, die manchmal brauſen, wo es ſich um das Recht und um das Gute handelt, die mit Wärme ſprechen, einen Gegner mit flammenden Worten der Widerlegung ſeine Ungerechtigkeit, ſeine Belei⸗ digungen vormalen, ſolche Menſchen ſind, wenn ihre Wärme nicht in glühen den Zorn übergeht und nicht zu oft erſcheint, eine wahre Wohlthat der Na tur; ſie ſind das, was Stürme auf dem Meere, was Winde auf dem trokenen Lande ſind. Was würde aus dem Meere werden, wenn es nie in gewaltigen Wogen aufbrauſete und vom tiefſten Abgrunde aus aufgewühlt würde? Es müßte ungeachtet der Salztheile, womit es imprägnirt iſt, doch zulezt faulen; ein ewiger Vorn für Peſt und Tod werden, und den Erdball entvölkern. Wer würde beſtehen, wenn nie Winde die Wälder und friedliche Wohnſize der Men⸗ ſchen durchheulten? Die nie bewegte Luft würde, von giftigen Ausdünſtungen überladen, der Herd für Krankheiten und für den Tod ſein. Wir wollen es ihnen immerhin verzeihen, wenn ſie uns manchmal einige Obſtbäume entwur zeln, wenn ſte einige Schornſteine herabwerfen, ſind ſie doch Urſache, daß wir angenehm leben. Mögen ſie brauſen.

Ach, wo wären Kunſt, Wiſſenſchaft, Gewerbfleiß, Entdekung, wenn nicht Menſchen voll lordernden Feuers ſtürmend und brauſend aufgetreten ren, und durch die Fakel ihrer Glut die übrigen aus ihrem Stumpfſinn auf⸗ gejagt und zum Widerſtand oder zum Wetteifer gezwungen hätten? Sie muß⸗ ten ihre ſchlummernden Geiſteskräfte weken, erfinden, ſchaffen, bilden, Ge walt durch Gewalt oder durch Liſt vertreiben; die Nothwehr trieb die Men ſchen zur Erfindung des Nothwendigen; das Nöthige verband mit ſich das An genehme, und Kunſt und Wiſſen blühte. O, es müßte ein kurios liebenswür⸗ ges Leben auf Erden ſein; wenn jeder friedlich, unbekümmert um den andern, ohne Streit und Sucht ſein Feld beſtellte und von deſſen Erzeugniſſen ſein Pflanzenleben friſtete; wenn nie ein Krieg entbrannt, eine Stadt gebaut, ein Volk entſtanden wäre; der Geiſt würde ohne Nahrung, ohne höheres Stre⸗ ben, ohne Anringen gegen ein Ungemach erſchlafft ſein, und die Menſchen wür den, wie die Pecherä's auf der terra del fuogo am Boden kauern und, nichts denkend, nichts wollend, von nichts affizirt, einander ſinnlos anglozen! Die ſibiriſchen Einöden müßten wahre Reunionsſäle gegen eine ſolche Menſchen⸗ Vegetations-Plantage erſcheinen.

Würde die menſchliche Geſellſchaft nicht ſelbſt in eine faulende Gauche gerinnen, wenn Alles, in der Welt ſeinen mechaniſchen Gang ginge, wenn keine Leidenſchaft die Pulſe in raſcheren Umſchwung brächte, wenn nichts den Menſchen affizirte, wenn Jeder dächte, das liegt außer der Bahn meines Steges, das thut mir nicht weh, was ſoll ich um einer Sache willen, die mein Ich nicht in Anſpruch nimmt, meine Stimme, wie ein Parlamentair, erheben; wenn Jeder, welchen Vosheit und Neid tritt, den tretenden Fuß küſſen wollte, und aus purer Sorge, auch Unwürdigen nicht wehe zu thun, zur Pedanterie und Bosheit ſchwiege: fürwahr trauriger könnte die, Ueber⸗