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das für Recht glüht, in dem der Grandſaz lebt: Einer für Alle und Alle für Einen!— manchmal bei, die Stimme zu erheben, und ſich zu winden, da es getreten wird, ein veto auszuſprechen, wenn die Bosheit oder der Neid nach ſeiner Ehre und ſeinem Wirken die giftigen Klauen ausſtrekt; hu, da wird gezauſet und gebel fert, und ein Hizkopf, ein aufbrauſender Menſch, der nicht in die Geſellſchaft und in die Welt taugt, ſind die läſternden Urtheile, die über ihn ergehen.— Natürlich, wer mit dem Knöchel des Tadels den Leuten auf ihre Lieblingsneigungen klopft und ihre Sünde nicht gut heißt, dem ſchlägt man den Fiedelbogen um das Maul, ſagt ein ehrliches, altdeutſches Sprichwort. Ein Schifflein, das gegen den brauſenden Strom will ſchwimmen, wird an die Felſen angeſchleudert, wird zerſchellt, zerſauſet. Brauſen macht Zauſen.
In einem kleinen Landſtädtchen lebte ein ehrlicher Krämer. Er hatte das Herz auf dem rechten Fleke, ernährte durch Fleiß ſeine Familie redlich, und ſeine Arbeit blieb nicht ohne Segen. Aber einen Fehler hatte der gute Mann; er hätte zu einem Sprecher im Unterhauſe Londons weit beſſer getaugt, als zur Nolle eines ſchlichten Bürgers. Wo er einen Mann wußte, der bedrängt wurde, deſſen Verdienſten man nicht eben ſo Gerechtigkeit widerfahren ließ, wie Vndern, der vielleicht etwas öfter beim Durchzuge von Truppen bequartirt wurde, oder dem Privat-Intereſſen eine zufällige, öffentliche Arbeit nicht wollte zukommen laſſen, u. ſ. w., dann erhob er ſeine Stimme und vertheidigte den Vortheil und die Ehre des Gekränkten, wie ſich ſelbſt. Er kam dabei ins Feuer, die Glut eines heiligen Enthuſiasmus für das Gute uad Rechte fprühte aus ſeinen Augen. Die Nachbarn ſahen ſich hiermit in den Hinter— grund geſtellt, ſchalten ihn einen aufbrauſenden, zornſüchtigen Menſchen, einen Störer ihrer Nuhe, und ſahen mit feindlichen Bliken auf den Eifer er für das Gute. Er hatte ſich Widerſacher geworben, die keine Gelegenheit vorbei— gehen ließen, ſich an ihm zu reiben, ihn durch Spott und Schmähreden zu kränken. Brauſen macht Zauſen!
Nuohn diente in einer ausländiſchen Provinz als Beamter niederen Ranges. Von jeher an einfache Lebensweiſe gewöhnt, ließ er den Andern im— merhin ihre Vergnügungen; er ſelbſt ſaß mit unermüdetem Fleiße an ſeinen jeweiligen Arbeiten, vollendete ſie weit ſchneller und bündiger, als die übri— gen Mitkollegen und gewann noch ſo viel Zeit, um in den Stunden der Muße Zeichnungen anfertigen zu können, die ſelbſt in der Hauptſtadt ihre Anerken— nung fanden. Bei allen dieſen Geiſtesarbeiten, bei dieſer unermüdeten Thä⸗ tigkeit war er zufrieden, wenn er Abends ein Stündchen im Kreiſe ſeiner Freunde, bei heitern Geſprächen oder heiterm Geſange ſich erholen konnte. Aber gerade dadurch ward er anſtößig. Seine Mitkollegen ſahen ſich in den Schatten, in den Hintergrund geſtellt, ſie erſchienen als frivole Schüler des Epikur; während Ruohn Aller Achtung gewann. Daß es unter dieſen Umſtän— den nicht an feindſeligen Nekereien von Seite der Hintangeſezten fehlte, iſt natürlich; denn die Menſchen mögen es nicht wohl leiden, wenn einer ihres Gleichen als beſſer und in regerer Thätigkeit auftritt, als ſie ſind. Viel er— trug Ruohn mit Gleichmuth; wurden die Angriffe aber zu häufig und zu ſchmerzlich, dann ſprach er wohl auch mit ernſtem Nachdruk und mit edlem Feuer gerechten Unwillens, vielleicht auch manchmal mit Heftigkeit; aber nun


