Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
553
 
Einzelbild herunterladen

Kunst, Eleganz und Mode.

(Achter Jahrgang.)

Halblähriger Preis 4 fl., mit freier Poſtzu⸗ ſendung 5 fl. Auf Velinpapler mit erſten Rupferabbrilken 5 fl. und poſtfrei 6 fl. C. M.

Nan pränumerlrt im Kommifflonsamt iu Ofen (Feſtungtauffahrt), In Ferd. Tomalas Kunſthand⸗ lung zu Peſth und bel allen k. k. poſtämtern.

45

Der unſichtbare Zeuge.

(Beſchluß.)

Noſaliens Angeſicht glühte, Unmuth und Reue kämpften wechſelweiſe in ihrer Bruſt, und der Schmerz ihrer Beſchämung wollte ſich eben Luft ma⸗ chen, als Graf Orlik, der die Bewegungen ihres Herzens in ihrem Geſichte las, einige Schritte zurük trat, und ibrer Antwort zuvorkommend, mit verdüſter⸗ ten Vliken und vor Unmuth bebenden Lippen fortfuhr:Vernimm meinen Ent⸗ ſchluß, er iſt allmälig gereift und nichts wird ihn ändern. Ich will dich heute das lezte Mal geſehen haben, als in ſolcher Sünde befangen. Sollteſt du ge⸗ gen dieſes mein Verbot handeln, das mir als deinem Herrn und Gemahl und vermöge meiner Liebe für dich wobl zuſteht, ſo ſollſt du hinfort in einem bärenen Sake, im Gewande der Büßerin wandeln, kein Feſt, kein Feiertag ſoll deiner Eitelkeit mehr Raum geben, und die ganze Welt will ich zur Zeu⸗ gin deiner Demüthigung machen, hiermit verließ er ſie.

Dieſes hatte die Gräfin nicht erwartet. Ihr tief gekränkter Stolz wollte das Wort nehmen, allein ſie kannte ihren Gemahl, obwohl ſie ihn auch nie ſo entrüſtet geſehen. Weinend warf ſie ſich auf einen Stuhl hin und ihr Schmerz war ſo groß, daß ſie darüber zu ſterben meinte. Sie rief ihre Die⸗ nerin nicht und löſte ſich ſelbſt den unheilvollen Schmuk ab, den ſie mit tau⸗ ſend Thränen benezte und für ewig von ihm ſcheidend in ihrem Juwelenkäſtchen barg. Dann hällte ſie ſich in ihr einfachſtes Gewand. Zur Mittagsſtunde holte ſie eine Dienerin zum Grafen. Es war aufgetragen. Erſt als ſie ſah, daß Orlie ſo aufgewekt war, als ob nicht das Geringſte vorgefallen wäre, wagte ſie die Blike aufzuſchlagen.

Der Graf ließ ſich's bei Tiſche wohl ſchmeken und ſchien von den Thränen nichts zu bemerken, die ihm gegenüber vergoſſen wurden. Er beobachtete aber

*