Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
545
 
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Sonnabend, 29. Aug uſt.

Für

Kunst, Eleganz und Mode.

(Achter Jahrgang.)

L Halblähriger Preis 4 fl., mit freier Poſtzu⸗ 2 Man dränumerirt im Kommiſſlonsamt zu Ofen ſendung 5 fl. Auf Vellnvapler mit erſten 2(Feſtungsauffahrt), in Ferd. Tomalas Kunſthand⸗ Kupferabdrllten 5 fl. und poſtfrel 6 fl. C. M., lung zu Peſih und bei allen k. k. Poſtämtern.

Der unſichtbare Zeuge)).

Graf Orlit hatte ſich vom Hofe entfernt, bei dem er in großem Anſehen geſtanden war, und ſich auf das alte Schloß im Gebirge zurük gezogen. Bei Zeiten war ihm die übertriebene Prachtliebe ſeiner Gattin Roſalia kund ge worden, die liebevollſten Ermahnungen waren fruchtlos geblieben, und er be⸗ ſchloß, ihren Verirrungen einen Damm zu ſezen. Zwar der Aufwand, den ſie wünſchte, war nicht von der Art, daß er Orlik's Verhältniſſe zerrütten oder ſie auch nur gefährden konnte, war doch Graf Orlik ſo bemittelt, daß auch der glänzendſte Haushalt ihn, der bis jezt kinderlos geblieben, und hätt' er es auch einem Herzoge gleichgethan, nicht ſo leicht herabbrachte. Aber ihn kränkte es, daß ſein Weib, daß er ſonſt ſo ſehr liebte, ſein eigenes richtiges Gefühl für das, worauf es im Leben eigentlich ankommt, ſeine Vorliebe für die Ein⸗ ſachheit der Sitten, für die Heiterkeit eines in ſich ſelbſt geſtillten Herzens nicht theilen wollte, und ihr Glük, ihre Befriedigung in dem tändelnden Zier⸗ rath von Außendingen ſuchte. Es kränkte ihn dies um ſo mehr, da die Lei⸗ denſchaft ſeiner Roſalia, ſelbſt in dem Gebirgsſchloſſe, wo ihr doch alle Nah⸗ rung abgeſchnitten ſchien, raſtlos wucherte, und er alſo wohl einſah, daß das Uebel tief im Herzen wurzle.

Der oft wiederkehrende Streit über einen und denſelben Gegenſtand trübte ihm endlich ſein häusliches Glük. Wie ſchwach, wie unlauter, dachte er oft bei ſich, muß die Liebe eines Weibes ſein, das nicht einmal einigen Flitterkram ihrem Mann zu Liebe wegwirft, wenn ſie weiß, wie ihn dieſes

) Als Probe aus A. Schumachers:Novellen und Erzaͤhlungen. Wien. Bei M. Lechner, Univerſitäts-Buchhändlec. 4 Bde. 1855.