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gen an, die Straßen zu durchkreuzen und die Einwohner der Hauptſtadt von einem Stadttheile zum andern zu befördern und Reiſende nach allen Welkge⸗ genden abzuführen. Gegen ſieben Uhr öffnen ſich die Werkſtätten, und um die— ſelbe Zeit gehen auch die Kaufläden auf. Um acht Uhr wird das Quartier latin beſonders rührig und belebt; die Tauſende von Studenten ziehen in die Höeſäle der Sorbonne und der Ecole de médecine; die Advokaten, Notare und Gerichtsſchreiber empfangen etwa um dieſelbe Stunde ihre Klienten im Heiligthum ihrer Kabinette. Um neun Uhr gewinnt die Cité ein bewegtes Ausſehen; das Palais de Juſtice und ſeine weiten Gerichtsſäle füllen ſich mit Klägern, Beklagten, Advokaten und Zuſchauern. Langſam geht die in den gewerbſamen Theilen der Stadt ſchon mit Tagesanbruch begonnene Bewegung in die Gegenden des Palais-Royal, der Tullerien, der Madelaine und der Chauſſee d'Antin über. Um zehn Uhr begeben ſich die Angeſtellten, Beamten und Staatsdiener gemächlichen Schrittes in ihre Kanzleien, die Schaar der Kommis eilt auf ihre Komptoirs, und die Bankiers und großen Handelsherren ſezen ſich an ihren Pult, um die zwiſchen zwei und fünf Uhr auf der Vörſe zu machenden Geſchäfte zu überdenken und zu ordnen. Die allgemeine Thätigkeit dauert bis fünf Uhr, dann werden die Kanzleien, die Gerichtshöfe, die Komp⸗ toirs geſchloſſen, und alle wichtigen Geſchäfte haben ein Ende. Der wohl ha⸗ bende Bürger ſpeiſt mit ſeiner Familie zu Mittag, die Fremden, Hageſtolzen und penſionirten Beamten drängen ſich in die Reſtaurationen und Speiſehäu— ſer, die reiche und vornehme Welt ſpeiſt oder vielmehr ſchmauſet zwiſchen ſechs und ſieben Uhr und fährt in glänzenden Equipagen zu ihren koſtbaren Gaſt— mahlen, welche an Luxus und ausgeſuchter Delikateſſe gewiß die mensae syra- cusanae der Alten übertreffen. Nach dem Mittageſſen füllen ſich die Kaſſehäu⸗ ſer und Theater bis gegen Mitternacht; dann gehen die Schauſpiele zu Ende und die Nachhauſegehenden nehmen noch hie und da im erſten beſten Cafs ein Glas Eis oder Limonade. Der ruhige, gemüthliche Bürgermann aber hat ſich ſchon zur Rahe begeben, wenn die vornehme Welt noch von einem Vergnügen zum andern fliegt, weil ſie den Genuß nicht kennt, den mäßige Arbeit und die Uebung der Wiſſenſchaften gewähren.
Eine andere eigenthümliche Phyſiognomie hat Paris am 8 Vor ⸗ mittags ſind noch die meiſten Laden geöffnet und der Betrieb und Verkehr ge⸗ hen noch im alten Gleiſe fort.— Der Nachmittag dagegen legt die Geſchäfts⸗ mine ab und zieht ein Feiertagskleid an. Alles zeigt die laute, lebendige VBe⸗ wegung eines Volks feſtes. Schon gegen zwei Uhr fängt der induſtrielle Theil der Bevölkerung an, von allen Seiten der Stadt den Bureaux der Omnibus und Geſellſchaftswagen zuzuſtrömen, welche um einen niedrigen Preis 14 bis 0 Perſonen zugleich in die benachbarten Ortſchaften der Umgegend von Paris führen. Der Tuileriengarten, während der Woche in den Nachmittags- und Abendſtunden der Sammelplaz der vornehmen und ſchönen Welt, iſt heute von eiuer ſchwärmenden Volksmenge beſtürmt und eingenommen; die Blumenbeete, Bänke und Statuen bedeken ſich mit Staub und das Auge, ſonſt nur gewöhnt, auf die geſchmakvollſten und reichſten Toiletten zu treffen, wird an dieſem Tage oft von dem wunderlichſten Damenpuz überraſcht.— Schaarenweiſe ſtromt es in den Louvre, und ſeine weiten Gallerien füllen ſich mit allerlei Volk, mit Müſſiggängern, Taſchendieben, Gaffern, Vettlern, mit verdächtigen Gerüchen


