Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
509
 
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ihren Siz aufgeſchlagen, den Seil, der an ihnen befeſtigt war, fein halten! Man will ſogar, bei jedem Sprunge des kleinen Akrobaten, eine Erſchütterung an ihnen bemerkt haben. Hagenau. Wien.(5. Auguſt). Die Fe⸗ rien der k. k. Hofſchauſpieler ſind be reits geendet und ſie begannen am 1. Auguſt mit 2 Kotzebueſchen Piecen: Eduard in Schottland undDer Gefangene. Nach vier Wochen haben wir wieder Einmal Theater ſpielen ge ſehen. Im Hofoperntheater ſang Hr. Wild vor ſeiner Abreiſe zum lezten Male den Floreſtan in Beethoven'sFi⸗ delio mit wahrhaft hinreißender Mei⸗ ſterſchaft. Wir müſſen Wild immer mehr bewundern, je öfter wir ihn ren. In ewiger Jugend und Kraft ſcheint ſeine Stimme ſtets voller und wohltönender zu werden, die Ausdauer und Stärke immer zuzunehmen. Nach wenig Tagen ſang Herr Wild aber mal zum lezten Male den Robert mit gleicher Virtuoſität und gleichem ſiegreichen Erfolge. Geſtern ſahen wir in derſelben Partie Herrn Breiting, der ſo eben von ſeinem Urlaube zurük gekehrt iſt. Wir können demſelben kein größeres Lob zollen, als wenn wir ſa gen, er habe auf H. Wild hinauf ſehr gefallen. Ein Sänger, der nach kurzer Friſt in einer Rolle Wild's Beifall erntet, der kann ruhig ſagen: Anch' 10 son Tenore primo assoluto etc. Madame Schodel als Alice war ſo la la, was wir um ſo mehr bedauern, als wir erſt kürzlich ein par wunder- nette Epitheten und Expreſſionen ge leſen, die wir gerne an Mann bräch ten. Z. B. Madame N. N. hat eine klagegemüthſeelenvolle Memnonſäulen⸗ ſtimme, oder Delle N. N., die philome⸗ lentonbegabte Herzeneroberin, ſang wie eine verführeriſchlokende Syrene u. d. gl. aber leider paſſen alle die ſchönen Din

gelchen, mit denen die Kunſtrichter jezt ſo dike thuen, auf Mad. Schodel ein für alle Mal nicht. Das Thea⸗ ter in der Leopoldſtadt hat einen gro ßen Verluſt erlitten. Am 2. d. M. ſtarb nämlich in Baden bei Wien der Veteran Wenzel Müller, Kapell⸗ meiſter dieſer Bühne, in ſeinem 75. Lebensjahre. Er war ohne Zweifel der fruchtbarſte Tondichter ſeiner Zeit, denn er lieferte in einem Zeitraume von 49 Jahren über 250 Werke, un⸗ ter denen bedeutende Opern befindlich ſind. Seine Verdienſte um das Genre der Lokalmuſik ſind zu ſehr bekannt, als daß wir nöthig hätten darauf auf⸗ werkſam zu machen. Er ſtarb al lge⸗ mein geehrt und betrauert. Im Theater in der Joſephſtadt gaſtirte ein Herr Döbbelin als Oſſip in Rau⸗ pachsIſidor und Olga. Goethe ſagt: Faſſeſt du die Muſe nur beim Zipfel,

Haſt du wenig nur gethan und dies ſei die Rezenſion über Herrn Döbbelin! Im Theater an der Wien, wo früher ſo lange keine Spur von Kunſt zu ſehen und zu hören, wet⸗ tert Herr Kunſt noch immer fleißig he⸗ rum. In den heterogenſten Nollen ſe hen wir dieſen Proteus, heute als Grafen Savern, morgen als Ehmann in dereiferſüchtigen Frau, dann als Wetter von Strahl und gleich wieder als Ritter Eiſenfauſt(incredibile au- ditu!), dann folgt eine Benefize⸗ Vorſtellung mit dem ominöſen Titel die Schuld, wo das Söhnlein ſchon recht artig zwitſchert, wie der Vater ſingt, und den Otto mit großem Ge ſchik und zur Zufriedenheit darſtellt. Zur Abwechslung ſehen wir dann ein einaktiges Stük von Herrn Schickh mit einem neuen Titel, und finden einen uralten Bekannten daran.Sta⸗ berl als Todter heißt nämlich jezt Schnauferl als Todter und iſt zum Schrek des guten Geſchmaks wieder auf⸗