Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
495
 
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Jahrhunderts, New⸗York die ſchönſte Stadt in der Welt, das Capitol in Waſhington der prachtvollſte Palaſt auf der Erde und die Amerikaner das erſte Volk. Er batte dies alle Tage in die Zeitungen geleſen und glaubte es end lich ſelbſt. Jeder Amerikaner hat eine große Menge Schmeichler, die er an hört. Man ſchmeichelt ihm, weil er Souverain iſt, und er nimmt dieſe Schmei cheleien an, weil er zu gleicher Zeit das Volk iſt. Seine jährlichen Höflinge ſind die, welche bei Gelegenheit der Wahlen ihren Weihrauch über ihn ſchüt ten, um Stimmen und Stellen von ihm zu erhalten. Seine täglichen Höf linge ſind die Zeitungen, welche nach Abonnenten und Geld ſtreben, und den Amerikaner jeden Morgen mit dem gröbſten Schmeicheleien füttern. Man mag ſeine Bewunderung über Amerika in noch ſo ſtarken Ausdrüken ausſprechen, der Amerikaner iſt nie damit zufrieden; in ſeinen Augen iſt eine nur einiger maßen gemeſſene und zurükhaltende Billigung feindſeliger Tadel und eine un⸗ verzeihliche Beſchimpfung.

Leitung der Novitäten und Anfichten.

Miszellen.

Raa b. Am 29. Juli, Morgens 2 Uhr, traf der türkiſche VBotſchafter Ahmed Ferik Baſcha, von Peſth kom⸗ mend, hier ein und iſt in dem ſchönen ganz neu eingerichteten Gaſthofzum Reichspalatin abgeſtiegen.(Genannter Gaſthof verdient wegen ſeinen geſchmak vollen Zimmern, aufmerkſamer Bedie⸗ nung und großer Billigkeit einer be ſondern Erwähnung). Nachdem der Botſchafter die Stadt und einige Merk würdigkeiten beſehen hatte, ſezte er um 103 Uhr deſſelben Tages ſeine Reiſe nach Wien fort. N

Rom. Hier ſieht es jeder Wirth für ein beſonderes Glük an, wenn er einige deutſche Künſtler oder nur einige ſchweizer Gardiſten zu Kunden hat, und er behandelt ſie deshalb mit aller möglichen Aufmerkſamkeit, denn die Römer ſtrömen in ſolche Trinkhäuſer, weil ſie überzeugt ſind, Niemand ver ſtehe ſich beſſer auf den Wein als die Deutſchen, und derſelbe müſſe natür lich da gut ſein, wo ſie ihn zu trin⸗ ken pflegten. Kein anderes Volk hat

übrigens ſo viel Neigung zu trinken als die Römer. Männer ſowohl als Frauen können eine ſehr große Quan tität Wein vertragen; man ſieht bei ihnen ſehr wenig Betrunkene, deſto mehr aber ſolche, die in einem kleinen Räuſchchen umhergehen. Die meiſten Dolchſtöße und Zänkereien finden ſich in den Trinkſtuben und werden durch Eiferſucht oder durch Wetten, wer am meiſten trinken könne, veranlaßt. Die Gläſer übrigens, aus denen man hier den Wein trinkt, ſind ſo dünn, daß es wirklich an das Wunderbare grenzt, daß ſie nicht zerbrechen; ihre Verfertigung iſt ein Monopol der Regierung. Ein Weinblatt ſichert ſie vor den Fliegen, die hier während der Hize eine wahre Geißel ſind. Wagen und Pferde ſind der beliebteſte Luxus der Römer. Die einheimiſchen Pferde ſehen nicht gut aus, und die ausländiſchen, beſonders die engliſchen, leiden wegen ihrer dün⸗ nen Haut ungemein von den Fliegen, ſchwizen ſehr und werden endlich ſo un⸗ folgſam, daß man ſie um jeden Preis verkaufen muß. Die Kardinäle haben rothe Kutſchen; ein an der rechten