Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
494
 
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Max Piccolomini zleht noch tauſend andere Heldenherzen mit in ſeinen Tod, ſtatt ſeinem Fürſten und ſeinem Vaterlande den Eid der Treue zu hal teu. Thekla, ſtatt ihre unglüklichen Mutter zu pflegen, verläßt ſie heimlich, um auf dem Grabe des Geliebten zu ſterben. Klärchen imEgmont vergiftet ſich. In derSchuld ſterben Hugo und Elvire freiwillig, ihre Schuld zu büßen. Goethe's Werther wirkt noch fort; auch mein Sohn hat mehrere Stel len in ihm angeſtrichen; alle beweinten ihn, und er ſündigte doppelt, indem er einer ſtrafbaren Leidenſchaft nachhing, ſtatt ſich mit Kraft zur Thätigkeit zu ermahnen. Ottilie in denWahlverwandtſchaften ſtirbt einen freiwilligen Hungertod, ſtatt auf Gott zu vertrauen, der noch Mittel hatte, ihre Tugend zu ſchüzen. Goethe macht ſie dafür zur Heiligen. Stella, Fernando, Clavigo liefern mehr Beiſpiele. O ihr von Gott begabten Männer, ihr Erzieher des Menſchengeſchlechts, von euch wird Gott Rechenſchaft fordern über die Anwen dung eurer Talente. Vis zu Rouſſeau muß man zurükkehren, um den Selbſt⸗ mord für ſtrafbar erklärt zu ſehen, aber nur aus philoſophiſchen Gründen. Der edle, fromme Richardſon, Verfaſſer der Pamela, Clariſſa, des Grandi⸗ ſon, iſt der einzige belletriſtiſche Schriftſteller(2), der aus religiöſen Gründen gegen den Selbſtmord geſchrieben hat.

Puzſucht der chileſiſchen Frauen.

Eine chileſiſche Frau, ſelbſt aus dem Mittelſtande, trägt nichts als ſei⸗ dene Strümpfe mit ſeidenen Schuhen, die ſo dünn ſind, daß ſie nicht länger, als ein Paar Tage dauern können; ihr Anzug zur Kirche beſteht aus Sam met, Seide und Spizen; ſie trägt die größten und koſtbarſten franzöſiſchen Schildkrotkämme in dem Haare, oft zwei oder wohl gar drei auf einmal, blos des Puzes wegen. Im Hauſe geht ſie in den feinſten chineſiſchen ſeidenen chern und legt ſich mit denſelben auf die Teppiche. Dadurch wird nicht blos häufig das häusliche Glük geſtört und manche Ehe verhindert, weil es den Männern an den Mitteln fehlt, ſolchen Aufwand beſtreiten zu können, ſon⸗ dern dieſer Mißbrauch des Puzes muß auch zulezt das Verderben des Staates herbeiführen. Merkwürdig iſt, daß dieſer Kleiderluxus bei den Frauen erſt ſeit der Abwerfung des ſpaniſchen Joches ſo überhand genommen hat; aber Niemand wagt öffentlich dagegen zu ſprechen, denn wahrſcheinlich ſtehen in kei nem Lande die Männer ſo ganz unter der Herrſchaft der Frauen(wenn auch nicht immer ihrer Frauen) als in Chili, was indeß eine natürliche Folge ihrer Schönheit und ihres bezaubernden Weſens iſt. Derſelbe Reiſende, dem wir die vorſtehende Mittheilung verdanken, erzählt, daß ſich in Tacna(Peru) die Frauen durch ihre auffallende Häßlichkeit, und alle Einwohner durch ihre un gewöhnliche Reitluſt auszeichneten. Sie ſind vom Morgen bis zum Abende im Sattel; ſelbſt die Bettler reiten auf Eſeln, wenn ſie um Almoſen anſprechen.

Die Höflinge des amerikaniſchen Volkes.

Ich beſuchte häufig einen angeſehenen Vürger in Rew-Vork, und jeden Abend hörte ich ihn wiederholen, General Jackſon ſei der größte Mann ſeines