Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
467
 
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Wollt Ihr wohl ſchweigen, Beide? ſagte endlich Eugen.Seid Ihr unſinnig? Soll ich mich nicht auch ſür Frankreich ſchlagen? Für euch? Für das Kreuz? Louiſe, Chriſtine!.. ich komme in acht Jahren zurük, und wenn ich dann meine Schweſter, meine Geliebte nicht mehr finde, was bleibt mir dann übrig? Sagt einmal? Soll ich mich auch umbringen? Ich ſoll das Andenken an euch nicht in meinem Herzen haben, um wie ein Löwe zu käm⸗ pfen, um Epauletten zurükzubringen? Laßt mich reiſen die Zeit vergeht und Alles iſt vorbei.

Ja, die Zeit vergeht und das Leben auch, erwiderte Chriſtine.Da iſt der Stephan, der mit den Andern nach Rußland ging und in Moskau ſtarb. Seine Mutter trauert... die Andern kommen auch nicht wieder. Die Zeit mit ihrem Hunde von K... 8

Willſt du ſchweigen! unterbrach ſie Eugen, indem er ihr die Hand auf den Mund hielt. 5

Nein, ich will nicht ſchweigen. Haſt du keinen Oberſten? Nun, ſo geht wan zu ſeinem Oberſten, fällt auf die Knie und ſagt zu ihm:Mein gnädiger Herr, ich will nicht zur Armee geben, ſehen Sie, ich will nicht er⸗ ſchoſſen ſein. Ich habe eine Schweſter und eine Frau, die ohne mich nicht le⸗ ben können und die in den Fluß oder in den Steinbruch ſich ſtürzen wollen. Schlagen Sie mich, mein Herr Oberſt, ſteken Sie mich ins Gefängaiß, aber ich gehe nicht. Es lebe der Kaiſer! Er iſt ein braver Mann, aber er laſſe mich in Frieden und gehe ſeinen Weg. Mein Oberſt, ich, ich bin ein Mann, ich bin ein freier Mann und habe nicht das Recht, meine Schweſter Chriſtine zu verlaſſen, die es nicht will, und die Sie verwünſchen wird, mein Herr Oberſt, wenn Sie mich fortſchiken!..

Das würde hübſch für einen Soldaten ſein! antwortete Eugen und konnte das Lachen nicht unterdrüken.

Abſcheulicher Bruder! rief ſie und warf ſich weinend in die Arme Louiſens. Einen Augenblik ſprach Niemand; ich auf meinem Baume war tief ergriffen und hatte mich ſo ganz in ihre Lage bineinverſezt, daß ich nicht mehr an die meinige dachte. Chriſtine richtete ſich indeß bald wieder auf, of fen bar um vieles ruhiger.

Mein Gott! ſprach ſie,ſollte denn kein Menſch, kein Kamerad ſo gut, ſo gefällig ſein, um deine Stelle einzunehmen? Die Andern haben ja auch Stellvertreter. Ach, wie wollte ich den lieben!

Ja, geſagt iſt es leicht, entgegnete der Rekrut,es gehört wei ter nichts dazu als Geld, und dies muß ſchnell geſchaſſt werden morgen.

Nun ſo gebe ich Alles, was ich habe, fuhr Chriſtine fort;meln goldenes Kreuz, meine Ohrringe, meine ſeidenen Tücher, meine Kragen, Al⸗ les will ich dem geben, der für dich in den Krieg ziehet.

Dies Alles zuſammen iſt nicht einen Mann werth, entgegnete Eugen.. Chriſtine bedachte ſich eine Zeit lang, ergriff dann den Arm ihres Bru⸗ ders und ſagte:Aber ich, ich bin doch einen Mann werth, mehr als einen Mann, ganz gewiß. So will ich mich geben, will ſagen: gehe für meinen Bruder, und ich will deine Frau ſein. Siehſt du, ich bin hübſch ein we⸗ nig verhätſchelt und muthwillig, aber was iſt das? Ich will dich ſo ſehr, fo