Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
452
 
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7 dergeſchrieben, nimm das Papier. Dich, Freund, beauftrage ich mit der Voll⸗ ziehung; ich weiß, du ſchlägſt es mir nicht ab.Zähle auf mich, ſagte Franz und drükte mir die Hand,doch weg mit den trüben Gedanken! ich weiß gewiß, daß ich die traurige Pflicht nicht zu erfüllen haben werde. Ich will es wohl hoffen, erwiderte ich,aber meine Ahnungen haben noch ſelten getrügt, und ich kann den Gedanken nicht los werden, daß der heutige Tag mein lezter iſt.Sprich nicht ſo! rief Franz.Wenn ich das wüßte Aber, großer Gott, wie willſt du dich mit Ehren aus dem Handel ziehen?Du irrſt dich; niemals ſollſt du eine Gemeinheit oder eine Feig⸗ heit von mir erleben! Ueber eine unwillkührliche Regung bin ich nicht Nei; aber nimmermehr, und wäre mein Grab ſchon gegraben, nähme ich ein einzi⸗ ges Wort zurük; komm! Damit nahm ich ihn am Arm, wir gingen ſchwei⸗ gend aus dem Haus und befanden uns bald an Ort und Stelle. 215

Mein Gegner harrte unſer bereits. Ich hatte ihn noch nie bei Tag ge⸗ ſehen, und ſein Aeußeres war nichts weniger als tröſtlich: ein bleicher, ha gerer, großer und ſichtbar ausnehmend ſtarker Mann mit einem ungeheuern Schnurrbart. Wir begrüßten uns kalt und wandten uns beide ab, während die Sekundanten ſich miteinander beſprachen. Die Unterhandlungen ſchienen meinem Gegner zu lange zu währen; er trat ungeduldig vor und ſagte:Um Vergebung, ihr Herren, daß ich unterbreche; ich meine aber, die Sache ſei ſo⸗ gleich ausgemacht. Zuerſt alſo, ſo wandte er ſich mit entſchloſſener Miene zu Franz,ſchießen wir auf fünfzehn oder auf zwanzig Schritte? Franz antwortete ſogleich, zwanzig ſcheine ihm recht, und ich las in ſeinem Auge, daß Beſorgniß für mich ihn ſo ſprechen ließ.Gut, ſagte der Schnurrbär tige, ſtieß den Abſaz ſeines Stiefels tief in den Raſen und zählte die Schritte ab. Ich geſtehe, in Betracht ſeiner gewaltig langen Beine war es mir gar nicht unlieb, daß er ſich ſelbſt dem Geſchäft unterzog; aber dieſer Hoffnungs⸗ ſchimmer erloſch bald, denn der Spizbube ſezte kaum einen Fuß vor den an⸗ dern und trippelte dahin wie ein Weib.

(Beſchluß folgt.)

e,

James Holmans kürzlich in London erſchienene Reiſe um die Welt ent⸗ halt über die Sitten und Gebräuche der Kaffern Folgendes:Die Art, wie ſie insgemein die Todten beſtatten, iſt grauſam und barbariſch. Gewöhnlich wenn ein gemeiner Mann ſein Ende erwartet, legt man ihn in einen benach⸗ barten Buſch oder Höhle und läßt ihn dort allein. Iſt er in ſeiner Hütte ge⸗ ſtorben, ſo trägt man ſeinen Leichnam an irgend einen abgelegenen Ort 45 läßt ihn dort von Wölfen verzehren, oder man läßt ihn in ſeiner Hütte lie⸗ gen, welche ſodann die Nachkommen verlaſſen, und ihren Wohnplaz wo anders aufſchlagen. Dieſe Sitte iſt faſt noch allgemein und erſt durch die unermüdli⸗ chen Verſuche der Miſſionäre iſt es gelungen, einer kleinen Zahl der Einge⸗ bornen Abſcheu davon einzuflößen, welche ihre Todten unn begraben. Niedere Häuptlinge werden von ihren Angehörigen ſtets beſtattet, d. h., man ſtekt ihre nakten Leichnahme ohne alle weitere Feierlichkeit in eine Grube. Vor⸗ nehme Häuptlinge begrabt man in ihren Beſizungen und mehrere Angehörige