Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
451
 
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zu Papier, wie du über das deinige zu verfügen gedenkſt?Wahrhaftig! rief ich,das iſt die Geſchichte vom Berg und der Maus! Ueber das Meinige verfügen? das wird bald gethan ſein; ich vermache dit meine Schulden und dispenſire dich von der Bezahlung der Zinſen. Doch, ich danke dir für die Mahnung, und jezt, gute Nacht! und ſei pünktlich morgen früh.Sei ganz ruhig, ſagte Franz im Hinausgehen und rief noch zur Thüre herein: Hör einmal, du thuſt gut, wenn du ein Glas Madera trinkſt, aber keinen Tropfen rothen Wein oder gar Branntwein! du ſollſt mir morgen frei um den Kopf ſein und eine feſte Hand haben.

Ich war allein.Eine liebenswürdige Geſchichte! dachte ich.Ja, wenn ich das Mädchen liebte, ſo hätte ich doch vielleicht etwas davon, wenn ich das Leben für ſie wagte; aber für nichts und wieder nichts, mit kaltem Blute für eine Hexe ſich todtſchießen laſſen, die einen auf der Welt nichts an geht, ſich bloß des eee wegen ſchlagen zu müſſen, das iſt doch gewiß ſehr verdrießlich! Leider iſt's einmal ſo, und der gute Freund hat Recht, ſein Rath iſt gut, wohl gar prophetiſch. Mein lezter Wille alſo Wäſche und Kleider ſoll die arme Liſe haben; wenig wahrhaftig für ihre treuen Dienſte! Leider hat ſie mir vielleicht nichts mehr zu thun! Die Bücher? Nur mit Scheu erwähne ich des koſtbarſten, meiner Vibel, da ich im Begriffe ſtehe, das Blut meines Nebenmenſchen zu vergießen. Franz, du ſollſt ſie meiner geliebten Mut ter übergeben. Sag' ihr, wie hoch ich ſtets ihre guten Lehren geachtet, wenn es mir auch an der Seelenſtärke gebrach, ſie! immer und überall zu befolgen. Ihr Herz müßte brechen, erführe ſie, wie unſinnig und gottlos ich mich ſelbſt um's Leben gebracht; erſpare ihr dieſen Jammer, ſag' ihr, ich ſei an Dieſem oder Jenem geſtorben, ſag' ihr, was du willſt, aber nimmermehr erfahre ſie die ſchrekliche Wahrheit, vor der ſich Herz und Vernunft in mir empören. Ihr Sohn ein Duellant! doch weg mit ſolchen Gedanken! dem Brauch muß man ſich einmal fügen; an die Mutter darf ich nicht mehr denken. Die an⸗ dern Bücher mein beſter Freund ſoll ſie haben. Sie mögen dich, mein lie ber Franz, an die frohen Stunden erinnern, die du mit ihnen zugebracht in der Geſellſchaft deſſen, der dir für deine treue, aufopfernde Freundſchaft tau ſendmal dankt. In der Schieblade meines Pults wirſt du ein Bildniß und ei⸗ nige Briefe finden; ihren Namen brauche ich nicht niederzuſchreiben, du wirſt ſie ſogleich im Gemälde erkennen. Ich bitte dich, Freund, ich beſchwöre dich bei Allem, was dem Menſchen heilig iſt, laß die Briefe in keines Menſchen Hände kommen als in die ihrigen, übergebe ſie ihr ſelbſt. Verhehle ir, ſo viel als möglich, die traurigen Umſtände meines Todes, ſuche ihr die Nach⸗ * überhaupt ſo ſchonend als möglich beizubringen, und verſichere ſie, daß

troz meiner tollen Streiche, ſie ſtets herzlich lieb gehabt, daß ich in den lezten Augenbliken meines Lebens ihrer mit der innigſten e e ge⸗ dacht; ſag' ihr

So weit war ich, da wurde ich durch ein Klopfen an die Thür daten- brochen, und Franz trat herein.Iſt es ſchon Zeit? fragte ich.Ja, antwortete er;ſchön, daß du ſchon gerüſtet biſt; es iſt gleich ſechs Uhr. Nun, da iſt die Zeit unbegreiflich ſchnell vergangen; doch, ich bin bereit. Du ſprachſt geſtern von meinem lezten Willen; die Vorſicht kann nicht ſchaden, und ich danke bir, daß du mich daran gemahnt. So eben habe ich etwas nie⸗