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fleiſch aufgetiſeht zu haben; plözlich aber, wie von einer furchtbaren Ahnung betroffen, fragte er nach dem Kinde, und die ſchändliche Mutter geſtand die gräßliche That. Unſere Leſer, ſezen die indiſchen Blätter hinzu, werden geneigt ſein, an der Wirklichkeit einer ſo teufliſchen Handlung zu zweifeln; mit Schmerzen müſſen wir aber erklä⸗ ren, daß die Thatſache nur allzuge— wiß iſt. M. Solothurn. Vor einigen Ta⸗ gen fand ein Knabe in einem Dikicht des Hofſtetterberges, wo er Steken ſchneiden wollte, vier junge Wölfe, deren bel ferndes Gekreiſche ihn herbei⸗ gelokt hatte. Ohne die Thierchen zu kennen, brachte er ſie nach Hauſe, wo er dann auch mit ihren Namen und der Gefahr bekannt wurde, in welcher er geſchwebt. Tags darauf bezog er vom Oberamte 100 Frk. Fanggeld. Man konnte die kleine wilde Brut nur ei— nige Tage am Leben erhalten. G. Berlin. Man ſchreibt aus Pa⸗ ris, Meyerbeer habe den Ertrag aller Vorſtellungen ſeiner Oper:„Robert der Teufel“, in Paris, London und Berlin den Verliner Armenanſtalten und Spitälern zum Geſchenk gemacht. M. Nizza. Hier beſchäftigt ein ſonderbaces Ereigniß die öffentliche Auf⸗ merkſamkeit. Am Meeresſtrande, in der Nähe der Stadt, fand man in die⸗ ſen Tagen einen jungen Mann, der an Händen und Füßen gebunden, und dem, mittelſt eines hinten feſt geknüpf⸗ ten Tuches, der Mund verſchloſſen war. Die davon benachrichtigten Karabiniers des nächſten Poſtens führten denſelben ſogleich— mit Beobachtung aller vom Sanitätsrath verordneten Vorſichtsmaß⸗ regeln— in ihre Kaſerne. Vis jezt hat man Folgendes erfahren. Der Un⸗
glükliche iſt der Sohn eines Londoner Kaufmanns, van Halen, der mit Schieß⸗ pulver, Waffen und andern verbotenen Waaren handelt. Mit einer ſolchen La— dung war der junge Mann auf einem engliſchen Fahrzeuge von London nach Konſtantinopel abgegangen. Auf der Höhe von Nizza angelangt, wurde er den 25. Abends 11 Uhr, vom Kapitän aufgewekt, in eine Schaluppe gewor⸗ fen, ans Ufer gebracht und dort in dem Zuſtande gelaffen, worin man ihn gefunden. Wahrſcheinlich werden die Räuber die auf ſo leichte Art gemachte Priſe nach Spanien führen, um dort bei Don Carlos oder Chriſtinen ſchwe— res Gold dafür einzutauſchen. V.
Modenbil d. Nr. 28.
Pariſer Anzüge vom 20. Juni. Hut von Gros de Milan. Kleid von gedruk⸗ tem Mouſſelin. Canezou von geſtikter Tulle. Die ſizende Dame zeigt dieſen Anzug don rükwärts. 5
Nöthige Bemerkung. Der Spie⸗ gel liefert ſeine Modenbilder, nicht wie an⸗ dere Blätter erſt den ſechſten Tag oder woht gar noch ſpäter, ſondern gewohnlich ſchon den vierten Tag nach ihrem Eintreffen aus Paris, wenn nicht der Erſcheinungstag des Spiegels oder die Auswahl es anders be— ſtimmen. Vorliegendes Bild wird ſogar ſchon den dritten Tag ausgegeben, wie es das bei uns immer gewiſſenhaft angegebene Pa— riſer Datum ausweiſt. Die Pariſer Moden- bilder vom 20. kamen in Wien am 28. Juni und in Peſth am 1. Juli an, und heute, am a. Morgens ſind bereits wohlgelungene Kopien, auf dem ſchönſten Papier gedrukt, mit Pari⸗ ſer Farben auf das ſorgfältigſte illuminirt und mit allem Nöthigen beſtens ausgeſtattet, in den Händen unſerer geehrten Abbonnenten in Peſth, und werden noch an demſelben Tage nach allen Seiten verſendet.— Hiemit wol⸗ len wir keinem andern Inſtitute dieſer Art zu nahe treten, es mag jedes ſeine Vorzüge haben— aber suum cuique!
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.


