Gon nabend 4. Jul.
Kunst, Eleganz und Mode.
(Achter Jahrgang.)
Halbjſähriger Preis 4 fl., mit freier Poſtzu⸗? Man pränumerlrt im Kommiſſtonsamk zu Ofen ſendung 5 fl. Auf Vellnpapier mit erſten?(Feſtungsauffahrt), in Ferd. Tomalas Kunſthand⸗ Kupferabdrüken 5 fl. und poſtfrei 6 fl. C. M.? lung zu Peſth und bei allen k. k. Poſtämtern.
Fragment aus dem Tagebuche eines Norddeutſchen.
(FJortſezung.)
Lord S. empfing uns mit großer Herzlichkeit, aber es wird mir ſchwer, ein Lächeln zu unterdrüken, wenn ich des Abends gedenke, wo ich ihn zulezt ſah. Dies war auf einem prachtvollen Balle, den er zur Zeit des Wiener Kon— greſſes gab, und den die Monarchen mit ihrer Gegenwart beehrten.— Das Lokal, die Anordnung, Alles war bezaubernd, und der Ball würde unver— gleichlich geweſen ſein, hätte er vor Tiſche Statt haben können. Nach Tiſche, war ſtets für Lord S. ein bedenkliches Wort.— Wir Männer waren über ſei— nen Zuſtand ſehr bald und mehr im Klaren als die Damen, und folgten nicht ohne Spannung jeder ſeiner Bewegungen, ungewiß über das Ende, welches kommen könne.— Er tanzte den erſten Tanz mit einer der Prinzeſſinen, mit welcher? erinnere ich mich in der That nicht mehr, und an dem Abende überzeugte ich mich, daß Lord S. ohne Zweifel ein beſſerer Diplomat ſei, als man ihm dies eben jezt noch einräumen will. So oft er ſich nicht on sure ground fühlte, ſtand er im Tanze ſtill, bewegte den Obertheil des Körpers nach dem Takte der Muſik, und wirklich nicht ohne Anmuth, her und hin, und tanzte, ſobald das richtige Gleichgewicht hergeſtellt war, ruhig weiter,
ſo ſich wenigſtens mit großer Taktik aus ſehr mißlicher Lage ziehend. Inner⸗
lich habe ich in meinem Leben nie mehr gelacht, aber gewiß ohne alle Beimi⸗ ſchung von Spott, denn Lord S. war ein ſehr guter, rechtlicher Menſch, dem man wohl wollen mußte. Uebrigens ſchien es Beſtimmung, daß er an dieſem Abende ſeine ganze Eigenthümlichkeit entwikeln ſolle. Er war in ſehr reicher Huſarenuniform, die ihm außerordentlich wohl ließ, und legte während des Tanzes ſeine prächtige Säbeltaſche ab. Eine ſehr junge Dame betrachtete dieſe


