Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
408
 
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Lüttich. Die Lütticher Zei⸗

tung berichtet, daß Mad. Maſi, be⸗ rühmte Sängerin aus Neapel, daſelbſt ein glänzendes Konzert gegeben habe. Seit Dem. Sontag hatte keine Sängerin einen ſolchen Beifall erlangt, aber auch hat ſeitdem keine Sängerin, ſo wie Madam Maſi durch die vereinigten Ei⸗ genſchaften einer ſchönen Stimme, Ge ſtalt und ungemeine Kunſtfertigkeit, einen ſolchen Grad des Beifalls ver dient.(Die Sängerin wird binnen Kurzem nach Berlin kommen.) V.

Der Modenkurier.

(Paris, 15. Juni. 1835.)

Nichts Neues unterm Sonnenlicht;

Doch neu heißt, was die Mode ſpricht!

1. Die Reisſtrohhüte(Baſthüte) ſind dieſen Sommer am beliebteſten und werden am zahlreichſten getragen. Wir führen einen an, deſſen offener Schirm mit ſchwefelgelbem Krepp gefüttert war und auf jeder Seite Zweigchen kleiner ſehr blaſſer Roſen hatte, die allerliebſt das Geſicht umkreiſten. Zwei ſchwefelgelbe Federn mit roſenrothen Enden, und ſchwefelgelbe Bänder, roſenroth ausge franzt, machen dieſen Hut zu dem zarteſten und eleganteſten Kopfpuze.

2. Auf Hüten von italieniſchem Stroh ſieht man Blätterzweige, die von einer wei ßen Bandſchleife ausgehen; oder Blumen- guirlanden, was alle Bänder, mit Ausnah- me der zum Binden erforderlichen, entbehr⸗ lich macht.

3. Die Kapoten mit Kouliſſen(gezo gene Hüte) ſind ſehr elegant, oder auch ſehr gemein, je nach dem der Stoff iſt. Thatſache iſt es, daß ſie eben ſo zahlreich ſind, als die Hüte von geheftetem Stroh, und daß ihr graziöſer Schnitt oder ihre Zuthaten ſie allein ausgezeichnet machen können. Unter dieſen führen wir an, jene von roſenrother oder blauer Gaze, die weiß glacirt und mit aus gefranzten Gazebändern geziert find, und am Rand einen Schleier von Seidenſpize mit gothiſchen Deſſins haben.

4. Kapoten von grünem, lilasfarbi. gem oder ſtrohgelbem Stoffe, mit weißen Bändern, brochirt mit der Schattirung des Stoffes, und mit einem einzigen Blumen- zweig geziert, ſind ſehr in der Mode.

5. Bei dem neulichen Feſte in Tivoli waren Perſonen des hoͤchſten Ranges anwe ſend. Die Herzoge von Orleans, von Ne mours, der Graf von Syracus(neapolita⸗ niſcher Prinz) und ein zahlreiches Gefolge waren zugegen, die ſich alle unter die Zu⸗ ſchauer der Volksſpektakel miſchten. Das Kunſt⸗ feuerwerk war herrlich und ward ohne Ge räuſch und ohne Gefahr abgebrannt. Nicht ohne Schreten konnte man die Produktionen des berühmten Seiltänzers Diavolo anſe ben. Er zeigte eine ſolche Kraft und eine ſolche erſtaunenswürdige Beweglichkeit, daß ihn gewiß jeder Zuſchauer Gottes Schuz em- pfehlen mußte. Die Anzüge waren im All⸗ gemeinen elegant, aber meiſtens Negligee. Viele Kleider waren von weißem Organdie oder farbigem Mouſſelin; faſt alle Damen trugen Shawls, um ſich vor der Kühle der Nacht zu ſchüzen; jene, welche keine hatten, trugen große Mantelets von ſchwarzem Taf⸗ fet mit Blonden garnirt. Die Hüte waren ſehr ſchön; die eleganteſten waren von dan, ſtroh mit weißen oder blauen Federn. ö

6. Man tragt viele Shawls von ſehr geſchmeidigem Seidengewebe mit großen ſchot tiſchen Viereken, grün und lilas, roth und braun, blau und ſchwarz de.; dann Shawls von Mouſſelin⸗Cachemir und, als höchſte Ele⸗ ganz, perſiſche Shawls, Bosphorus⸗Shawls, Kreuzgewebe, damaſſirt, Farbe auf Farbe, weiß glacirt mit ſchillerndem Reflexe.

Modenbild. Nr. 27.

pariſer Anzüge vom 14. Juni. Bonnet von geſtitter Tulle. Peignoir von Ja⸗ konnet mit Garnirungen von Batiſt, einge faßt mit Valencienner Spizen. Lehnſtuhl und Tiſch von hohlem Eiſen. Auf dem Tiſche iſt das Bonnet von der Rükſeite zu ſehen.

Berichtigung. Im lezten Schmet⸗ terling ſoll es, am Ende des Peſther Thea⸗ terberichtesKärnthnerthor ſtattJoſeph⸗ ſtadt heißen; denn im Kärnthnerthortheater und nicht im Joſephſtädter Theater wird Mad. Mint Gaſtrollen geben.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.

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