Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
406
 
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ſelben Hauſe.Vorgeſtern Abends ſchloß der Ruſſe ſeine Erzählung als ich ſchon im Bette lag, trat der Engländer in mein Zimmer, nahm meine Uhr weg, und weigert ſich ſeitdem hartnäkig, ſie mir zurük zu geben. Ich hoſſe daber, daß die Polizei den Eng⸗ länder als Räuber meiner Uhr ins Gefängniß ſchiken und zur Ausliefe rung der Uhr nöthigen wird. Der Kapitän wurde gefragt, ob er das ge⸗ borgte Geld zurükbezahlt habe, da, wenn dies nicht geſchehen ſei, die Uhr wahrſcheinlich als Unterpfand für die Zahlung dieſer Schuld dienen ſolle. Der Kapitän antwortete, daß er das Geld, troz wiederholter Mahnung, noch nicht zurük gezahlt babe. Der Po⸗ lizeibeamte erklärte ihm darauf, daß er unter ſolchen Umſtänden nicht ein⸗ ſchreiten könne. Der Ruſſe ſchien dar⸗ über ſehr erſtaunt, und ſagte, er habe immer gehört, daß in England das Eigenthum geſchüzt werde; es ſcheine ihm aber, daß man Fremde ungeſtraft berauben laſſe. Er verließ den Saal, indem er verſicherte, daß in Rußland ein Kapitän der kaiſerlichen Garde keine ſolche Behandlung zu erleiden habe, und daß in England keine Ge⸗ techtigkeit zu finden ſei. M. Konſtantinopel. Die tür⸗ kiſche offizielle Zeitung Tekwimi We⸗ kaji berichtet die Entbindung der Toch⸗ ter des Sultans in folgenden Worten: In dem freudenſpendenden Serail der erlauchten Tochter Sr. Hoheit, der

glükſeligen Sultanin Saliheh und ih⸗

res würdigen Gemahls Halil Baſſa, iſt am 22. des verwichenen Silkaadeh, ge gen Abend eine Roſenknoſpe des Gar⸗ tens der Herrlichkeit, ein Sproß vom Roſenhaine des Serails, ein herzer⸗ quikendes Knäblein zur Welt gekom⸗ men. Schon am folgenden Tage ſtatte⸗ ten Se. Hoheit der Sultan dem er⸗ habenen Paare einen gnadenvollen Be⸗

ſuch ab, und geruhten, bei dieſer Ge⸗ legenheit dem neugebor nen Prinzen aus der Fülle herrlicher Namen den Namen Abdul Hamid(heißt auf Ara⸗

biſch Knecht des Hochgeprieſenen) an-

zuerkennen.

Hildburghauſen. Nicht über⸗ all macht die Lumperei ſo viel Glüt als bei uns! ſagt die Dorfzeitung. In Weimar fiel der dort zum Erſtenmale gegebeneLumpazi⸗Vagabundus ganz durch. J.

München. Ein Landſchullehrer ging neulich nach München. Am Thore begegnete ihm ein Herr, den er höflich grüßte, ohne ihn zu kennen. Der Herr dankte nicht, ſondern blieb ſtehen und fragte ganz brutal:Kennen Sie mich 2Nein, antwortete der Schul⸗ lehrer.Warum ziehen Sie dann den Hut vor mir abKann ſein, wenn ich Sie kennete, ſo hätte ich den Hut nicht abgezogen, entgegnete der Schul⸗ lehrer, und der Herr ging ſeine Wege. T.

Wien. Ein Stuzer hatte lm mer 2 Perſpektive in einer Kapſel bei ſich. Als man ihn um die Urſache fragte, antwortete er:Das thue ich halt aus Vorſicht, weil ich leicht eines verlieren könnte. A.

Wien. Ein Student, welcher der einſammelnden Madame für die Muſik niemals etwas zu geben pflegte, ſagte neulich, als jene ihn wieder an forderte:jamais(geſprochen ſchamã niemals), worauf die Madame er⸗ widerte:Ja, ſchama's Ihna, daß nie was zahln. C.

Hannover. Bisher hörte man nur von einem beabſichtigten Pariſer Nachdruk der deutſchen Klaſſiker. Aus einer Bekanntmachung unſeres Mini⸗ ſteriums des Innern vom ten d. geht aber hervor, daß auch die Amſterdamer Buchhändler Gebrüder Diedrichs(He⸗ rausgeber des dortigen Handelsblad),

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