Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
404
 
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Kaffehäuſern, Reſtaurationen, Apotheken, Buchhandlungen, Zuker⸗Bilder⸗ und Kramläden. Wenn ich noch hinzufüge, daß ſie den ganzen Tag über mit Papilloten und im Negligé daſizen und erſt nach Sonnenuntergang und mit der Gas beleuchtung ſich zu puzen und geſprächig zu werden anfangen, ſo iſt das reine, lautere Wahrheit.

Schließlich will ich noch des neuen Väkerladen des Herrn Dufaure in der Rue Feydeau erwähnen. Drei bis vier Fuß hohe Glasſcheiben öffnen die Aus⸗ ſicht in das Innere deſſelben, welches mit einem hier noch nie geſehenen Luxus, nämlich außer mit großen Wandſpiegeln, noch mit Stukarbeiten und Arabes ken ausgeziert iſt. Wenn Paris einſt wie Herkulanum und Pompeji plözlich unter die Erde verſenkt wird und ſpätere Nachgrabungen auf die Entdekung dieſee Hauſes führen, werden ſich die Alterthumsforſcher nach tauſend Jahren den Kopf zerbrechen, welcher reiche, kunſtliebende Große hier gewohnt haben mag, und Niemand wird auf den Einfall kommen, daß das Erdgeſchoß dieſes Hauſes einſt zu einem Bäkerladen gedient habe. In derſelben Straße findet man noch einen prächtigen Mezgerladen, deſſen Wände zwar nicht mit allego⸗ riſchen Darſtellungen, aber doch mit ſchönfarbigem Marmor bedekt ſind, und deſſen Deke von drei korinthiſchen Marmorſäulen mit zierlichen Kapitälern getragen wird, vor denen große Stüke Ochſenfleiſch, ganze Kälber und Häm mel herumhängen, welche ſich in den im Hintergrunde angebrachten Waudſpie⸗ geln wiederholen. Man ſieht, wie ſehr ich Recht hatte, im Anfang zu be⸗ haupten, daß es kein Produkt gibt, es ſei noch ſo unbedeutend und häßlich was iſt proſaiſcher, als eine gebakene Semmel, was garſtiger, als ein geſchlach⸗ teter Hammel? welchem der Pariſer nicht durch eine geſchmakvolle Anord⸗ nung und Umgebung einen poetiſchen Anſtrich und einen gewiſſen Adel zu geben wüßte.

Ein T e ſt a 0 H.

Ein Bewohner von Avignon, der kürzlich verſtarb, hat ein Teſtament mit folgenden Klauſeln hinterlaſſen:Ich vermache demjenigen von unſern Bauern oder Taglöhnern, der die meiſten lebenden Kinder hat, wofern der Vater Katholik, aus dem Umkreiſe von Avignon gebürtig, auch daſelbſt ſeß haft iſt, und von ſeiner Händearbeit lebt, eine jährliche Penſton von 200 Li vres, die ihm auf 6 Jahre hintereinander allemal am Neujahrestage ganz aus⸗ bezahlt werden ſoll. Nach Verlauf von 6 Jahren, was ein hinlänglicher Zeit⸗ raum iſt, um eine Familie in den Stand zu ſezen, daß ſie dieſer Unterſtü zung nicht mehr bedarf, ſoll dieſe Penſion auf eine gleiche 6jährige Dauer auf einen andern armen Landbauer, der die zahlreichſte Familie hat, überge⸗ hen, der ſie dann gleich Erſtem nach Verlauf dieſes Termins einem Dritten abtkitt, und ſo fortlaufend ſoll unter den obigen Bedingungen der Nießbrauch dieſer Penſion von 6 zu 6 Jahren in alle Ewigkeit auf den jedesmaligen zahl⸗ reichſten Familienvater übertragen werden.

Selten heiten.

Georg J., König von England, hatte auf ſeinen Reiſen durch Holland mehrmals die Erfahrung gemacht, daß man ihn in den Wirthshäuſern ſehr