Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
399
 
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Die Manner, d. h. die Türken, ſind alle mit zwei langen Piſtolen und dem Handſchar bewaffnet, die ſie im Gürtel, und zwar nach der linken Seite tragen. Ich durchwanderte die Feſtung, wo der Paſcha wohnt, zu dem ich leider eines Mißverſtändniſſes halber an dem Tage nicht kommen konnte; ich ging nun auf den Wällen umher, von denen man eine ganz herrliche Ausſicht genießt. Die Feſtung iſt ganz armirt. Aus jeder Schießſcharte ſchauet ein Geſchüz her aus; nicht aus Beſorgniß oder Bedürf⸗ niß, ſondern aus türkiſcher Indolenz.

Die Kanonen ſind von Metall, ſehr

lang bei kleinem Kaliber und ruhen auf Lafetten, die ganz aus dem Gro ben gehauen ſind; die Räder ſind ganze Scheiben von Holz, durch die ein Loch für die eiſerne Achſe gebohrt iſt. Nie⸗ mand fragte, Niemand bekümmerte ſich um einen; ich war in der Moſchee, in dem Marſtall, und dann ging ich in der Stadt umher; zuerſt durch das türkiſche Viertel. Keinen Begriff macht man ſich aber von der dort herr ſchenden Unreinlichkeit! Doch freilich iſt dies eine bekannte Sache. Etliche türkiſche Weiber ſah ich in ihrer Ver mummung und auch recht hübſche Ser bierinen, die ihr National-Kopfpuz ſehr wohl kleidete. In ein Haus durfte ich leider nicht gehen, mein Kon⸗ tumaz⸗Diener war zu ſtreug; doch ging ich zum Schwiegerſohn des ſerbiſchen General-Gouverneurs, wo ich in der Vorhalle des Hauſes mit Kaffee auf türkiſche Art, in kleinen Schaalen mit ſilbernen Unterbechern und mit ei⸗ ner langen türkiſchen Pfeife bewirthet wurde. Die hübſche Frau des Haus⸗ herrn wollte mir den Kaſſee ſelbſt prä ſentiren, doch der unartige Kontumaz diener gab es leider nicht zu. Höchſt intereſſant, iſt es, dieſe verſchiedenen Volker in ihren Rationaltrachten zu ſehen, die türkiſche, iſt immer die in⸗

tereſſanteſte. Die wallachiſche und illy⸗ riſche Bauerntracht iſt die einfachſte, die ich geſehen habe. Beide beſtehen in einem Hemde, das oben zu gebunden wird; um den Leib, iſt ein ziemlich breiter Gurt kurz über den Hüften; bei den Wallachinen hat dieſer Gurt vorn und hinten ein ſchmales Schürz⸗ chen mit langen Franzen, die Illyrie⸗ rinen tragen den Schurz nur vorne, und das iſt die ganze Kleidung! 8

Miszellen.

Dresden. Bei dem Aktienver⸗ kauf zur Dresden⸗Leipziger Eiſenbahn hatte ein Dorfprediger, der die Sache mit den zwei Prozent über pari, wie dieſe Aktien Anfangs verkauft wurden, nicht recht verſtand, ſeine ganze Baar⸗ ſchaft von 300 Thalern daran geſezt und 150 Stük Aktienſcheine gekauft. Als er nun die Aktien ſelbſt bezahlen ſollte, erſchrak er nicht wenig über die Summe, indeß half ihm der Senſal leicht aus der Verlegenheit und kaufte ihm auf der Stelle die Aktien, welche unterdeſſen bedeutend geſtiegen waren, mit 10 Prozent Gewinn wieder ab. T.

Neapel. Roſſini wird hier er⸗ wartet, um aus Auftrag des Königs eine große Meſſe für 300 Inſtrumen⸗ tal⸗ und Vokalpartieen zu ſchreiben.

C.

London. Engliſche Blätter be⸗ richten über eine im Jahre 1799 un⸗ weit Terſchelling in Nord-Holland ge⸗ ſunkene, von London nach Hamburg beſtimmte engliſche Fregatte Lutine, mit 5 Millionen Mark Banko an Bord, auf der noch mehrere Hamburger, die bei der reichen Ladung betheiligt wa ren und ſich am Bord des Schiffes be⸗ fanden, ihr Leben verloren, Folgen des: Schen vor Zeiten iſt die Bergung