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werden. O's Bajazzo iſt geſtorben und das war kein guter Spaß von ihm.— Die Schröder iſt da, die Mama näm⸗ lich; ſie ſpielt ſechsmal in der Burg, und will das bischen viel Lorber mit⸗ nehmen, das die Crelinger übrig ge⸗ laſſen; viele meinen, ſie werde eine reichliche Nachleſe halten. Aber ſie kömmt ohne Töchter: das iſt bös! Wen wird da Hr. Turteltaub anſingen? Turteltaub, unſer Wiener Washington Irving, denn er hat ein Wiener„Skizzenbuch“ geliefert, wobei Saphir ſehr übel wegkam, denn ihm, als ſeinem Vor⸗ bilde, hat es der loſe Verfaſſer dedi⸗ zirt. Da wird ſich Hr. v. Holtey ſehr gekränkt fühlen, daß ih m dieſe Ehre entgangen; da doch ſein europäiſch be⸗ rühmtes Lied:„Timpe, Timpe, mach dir uf die Strümpe“ Hrn. Turteltaub zu aller poetiſchen Thätigkeit veran⸗ laßt bat und ſein Vorbild geworden iſt. Die Italiener ſingen noch immer, aber ohne die Schütz. Die neue Oper„Ein Abenteuer Skaramutzens“ von Ricci iſt nichts beſonders: aber der Buffo Frez⸗ zolini iſt ſo gut, daß er ſelbſt unſeren beſten deutſchen Sängern, wie Hr. Juſt, Diskant, Weinkopf Sohn u. ſ. w. ein ſchweres Nachſpiel bereitet. Die Ent⸗ ſchließung, das Kärntnerthortheater in Hofregie nehmen zu wollen, ſcheint ſich auf Oſtern n. J. zu vertagen. In der Leopoldſtadt ſind ſie jezt beim„Käthchen von Heilbronn“ und parodiren es in der Darſtellung nach Kräften. Hr. Quant iſt ein Ahas verus von Gaſt: über Jahr und Tag ſehen wir ihn als ſolchen auf dem Zettel figuriren. Der Senior Sartori hat auch die Hol teyade begangen, Wolffs„Cäſario“ zur Be⸗ nefize zu geben. Das Haus war leer, die Darſtellung über alle Maßen! O Freund, wüßten Sie, was das heißt, ein feines Konverſationsſtük, eine Rit⸗ terkomödie u. dgl. in der Leopoldſtadt gegeben! Kennten Sie erſt die Helden
des Tages: Fermier, Schaffer, Catter⸗ feld, Kemetner und die unvergleichliche Peroni— Sie würden nicht mehr von entſchwundener Kunſtgröße ſchwärmen: Sie würden Dem Schadetzky als Va⸗ ronin Rautenkranz, im„Alpenröslein,“ als Konteſſe Aurore, in„Kunſt und Natur“, Mad. Schack als große tra⸗ giſche Künſtlerin anſtaunen und mit Don Carlos ſelbſt einen Alba, ſelig und vergeſſend, in Ihre Arme ſchlie⸗ ßen. Ich komme reihum zur Joſeph⸗ ſtadt, da war ich in vielen Stüken, ſo zu ſagen, der einzige Zuſeher;— Freibillets gelten in meinen Augen nicht. Der welſche Pantomimemeiſter Fabri iſt ein Mann von Einſicht und Routine;— aber womit ſoll er ſeine Plane ins Werk ſezen? Zu einer Pantomime gehören Leute. Mad. Sprin⸗ ger iſt eine Sedezausgabe des unaus⸗ reichenden Talents; Hr. Korn iſt groß: er hat die höhere Tanzkunſt bei Kind- ler, die niedere Dek lamirkunſt für ſeine rezitirenden Genieproben bei Aichinger ſtudirt. Er iſt im Luſtſpiel immer Pantalon, in der Pantomime immer Gracioſo. Die Fiſcher- Achten ſingt wirklich ſehr hübſch— allein ſie brachte bisher nur ein erträgliches Haus. Dabei iſt das übrige Enſemble, und das Arrangement, von dem biede⸗ ren Kupelwiſer beſorgt, unausſprech⸗ lich. Wenn man Hrn. Dobrowsky ne⸗ ben dieſer Alice als Robert, Dem. Jazede im„Kerker von Edinburg,“ Hrn. Mellinger in was immer gehört hat... iſt man befriedigt für lange Zeit. Aber die Leute klatſchen, und dieſen Applaus, der aus der mitleidi⸗ gen Ueberzeugung entſteht, ein jeder Joſephſtädter Direktor könne es nicht lange forttreiben, nehmen Andere für Kunſter folg und als Antrieb zu Riva⸗ litäten. Der geniale Hr. v. H. ſorgt zwar(jezt als Regiſſeur!) in Baden, der thätige Hr. Kupelwiſer in Wien


