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Volksgunſt ſeſtzuſezen, als er zu der Zeit, wo die Habeascorpus-Akte auf den Rath der Miniſter aufgehoben wurde, die geſezwidrige harte Behandlung rügte, welche die wegen politiſcher Vergehungen Verhafteten in den Gefängniſſen er⸗ dulden mußten. Im J. 1802 gelang es ihm für die Grafſchaft Englands, Widdleſſer, ins Parlament gewählt zu werden und über den miniſteriellen Kan⸗ didaten den Sieg davon zu tragen, der ihm aber 40,000 Pfund Sterling (400, 0 0 fl. C. M.) gekoſtet haben ſoll. In den nächſten Parlamentsverhand⸗ lungen trat er zuerſt gegen Adding ton's ſchwaches Miniſterium kräftig auf. Während der kurzen Zeit, als der geoße For an der Spize der Verwaltung ſtand, ſtimmte er mit den Miniſtern.
Im J. 1807 wurde er für Weſtmünſter zum Deputirten gewählt.
Als er im J. 1820, in einem Schreiben an ſeine Wähler die Miniſterialpar⸗ tei heftig angriff, weil das Haus der Gemeinen einen Schriftſteller mit Gefängniß beſtraft hatte, erließ das Unterhaus„troz allen Anſtrengungen der Oppoſi⸗ tion, auch gegen B. einen Verhaftsbefehl; er widerſtand drei Tage lang der Vollziehung des Befehls, bis er mit Gewalt in den Tower geſchleppt wurde, wo er 2 Monate lang gefangen ſaß.
B. blieb ſeitdem ſeinen Anſichten treu und ſprach im Parlament oft gegen die Miniſter und ihre Partei. Für die Abſchaffung der in dem brlttiſchen Heere üblichen grauſamen körperlichen Züchtigung mit der Peitſche kämpfte er ſchon im Jahr 1812 als Menſchenfreund mit Kraft und Wärme, aber leider fruchtlos.
Seit 1820 trat B. allmälig aus der erſten Reihe der heftigſten Wort⸗ führer der Volkspartei. Als der große Canning, nach Caſtlereagh's Selbſtent— leibung, überwiegenden Einfluß gewann, näherte er ſich mit ſeinen politiſchen Freunden dem Miniſterium. Er ſprach ſeitdem beſonders auch für die Rechte der von der anglikaniſchen Kirche und der Regierung ſo unterdrükten Katho⸗ liken in Irland.
Als im J. 1829 die Bill zur Emanzipation der Katholiken durch das Parlament zu Stande kam, welche die Miniſter Wellington und Peel ſel bſt, die Nothwendigkeit dieſer Maßregel, zur Vermeidung einer Rebellion in Ir⸗ land, einſehend, einbrachten, hatte er auch großen Theil an der Durchbrin— gung dieſer Maßregel.— Bei den Verhandlungen über die Varlamentsreform in den Jahren 1851 und 1832 kämpfte B. als alter Radikal reformer für die— ſelbe, ſowohl im Unterhauſe als in den zur Beförderung derſelben geſtifteten Volksverſammlungen, mit Wärme und Nachdruk, und er erlebte die Freude, ſeinen Jugendplan wenigſtens zum Theil ausgeführt zu ſehen. Die politiſche Nationalunion zu London erwählte ihn zu ihrem Präſidenten, als aber in einer ihrer Verhandlungen die engliſche Ariſtokratie angegriffen wurde, verließ er mit Unmuth die Verſammlung. Als lezthin das Miniſterium Melbourne geſtürzt wurde und auf daſſelbe das Miniſterium Peel-Wellington folgte, erklärte zwar B. offen, daß er zu demſelben kein Zutrauen hege und kein Heil für Großbritan⸗ nien und Irland erwarte, weigerte ſich jedoch gegen die Wahl Sutton's zum Sprecher mit den übrigen Gegnern der Miniſter zu ſtimmen, was übm bei ſei⸗ nen Wählern in Weſtmünſter viele Widerſacher zuzog.
Dr. Rumy.
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.


