Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
374
 
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Miszellen.

Berlin. Baptiſte Loiſſet und die reizende mimiſche Künſtlerin zu Roß, Dem. Kenebel, ſind unter all ſeit i⸗ gem Bedauern unſerer Faſhionables, abgereiſet. Kurz vor der Abfahrt ſiel noch ein Spaß vor, der des Wiederer⸗ zählens nicht unwerth iſt., den alle Leute als einen tüchtigen Schenkwirth rühmen, hatte ſich eines Abends etwas übernommen, und ge⸗ rieth in dieſer Stimmung über die equilibriſtiſchen Leiſtungen Loiſſets ins Feuer; er behauptete, dieſe Künſte ſeien gar nicht ſo gewaltig ſchwer, und er mache ſich anheiſchig, auf dem lau⸗ fenden Pferde zu ſizen, zu knieen und zu ſtehen.Haben Sie reiten gelernt? fragen die Gäſte.Nein! iſt die Ant⸗ wort,das ſchadet aber nicht. Man wettet mit ihm um 50 Flaſchen Cham pagner. Gut. Herr* legt ſich ſpät zu Bette und erwacht am andern Mor⸗ gen, ohne ſich der Sache zu erinnern. Endlich fällt ihm ſeine Wette ein, er erſchrikt Anfangs, denkt jedoch, man würde mit ſeinem geſtrigen Zu ſtande ſich zufrieden ſtellen und die Sa⸗ che einen Spaß ſein laſſen. Allein ſchwer geirrt. Die Gäſte wollen ſich die 50 Flaſchen nicht entgehen laſſen und dringen auf die Wahrmachung ſeines Vorgebens; ſie haben, ehe ſie ihm den böſen Morgenbeſuch machten, ſchon mit Loiſſet Abrede genommen.Wenn es ſein, muß meint* und ſtieht die Leute mit Verdruß ſich auf den ſchoͤn⸗ ſten aller Auftritte und ſeine 50 Fla⸗ ſchen freuen. Sie kommen in den Cir⸗ eus Loiſſet erbietet ſich, ihn auf dem Pferde anzubinden. Nein! Er be⸗ ſteigt das Pferd unter großem Geläch ter und das pferd beginnt im Kreiſe

zu rennen. Plözlich verſtummt das Ge lächter und Herr** ſizt, knieet, ſteht, und Loiſſet ruft Bravo! und geſteht, eine ſolche vom Himmel gefallene Vir⸗ tuoſität ſei ihm noch nicht vorgekom⸗ men, Herr* gewann die 30 Flaſchen und noch einige lange Geſichter als Zugabe. in

Dublin. Am Oſter-Sonna bend Abends ward ein Mann, Namens John Heelan, Arbeiter in O'RNeils Fabrik zu Water ford, im Nachhauſe⸗ gehen von einem gewiſſen Foran ange⸗ fallen, der ihn niederſchlug, und ihm mit einem ſcharfen Inſtrumente mehre re lebensgefährliche Wunden verſezte. Heelan ward in dieſem Zuſtande nach dem Hoſpitale gebracht, wo er am Oſterdienſtag Nachts 10 Uhr ſtarb. Kurz nach dem mörderiſchen Angriffe war Foran verhaftet und ins Gefäng⸗ niß abgeführt worden. Nun ſtellte die Unterſuchung folgenden außerordentli chen Umſtand heraus, welchen Hr. Wright, der Gefängnißmeiſter, zu den Akten bezeugte. Am Dienſtag Nachts genau um 10 Uhr 2 Stunden nach der gewöhnlichen Zeit, wo die Geſan genen in ihre Zellen eingeſchloſſen wer den wurden Hr. Wright und ſeine Gefängnißwärter durch ein furchtbares Geſchrei aus Jorans Zelle aufgeſchrekt, und als ſie aufſchloſſen, fanden ſie ihn außer dem Bette mit allen Zeichen von Angſt und Grauſen. Er ſagte aus, er habe in ſeiner Zelle ganz deutlich ein heftiges Ringen und Stöhnen wle von einem qualvoll Sterbenden vernommen; nach einiger Zeit habe es aufgehört, und nun habe eine Stimme gerufen: Er iſt todt! er iſt todt! Foran füg⸗ te hinzu, er habe keinen Augenblik geſchlafen. Die Gefängnißwärter konn⸗ ten ihn nur mit großer Mühe beruhi⸗ gen, und einige von ihnen mußten die